REA-Chef Salchner: „In Kinderbetreuung klafft eine gravierende Lücke“

Die staatliche Kinderbetreuung hat für REA-Geschäftsführer Günter Salchner einen Systemfehler, „der Frauen hinter den Herd zwingt“.

Die staatliche Kinderbetreuung sollte nicht nur auf die Bedürfnisse der Kinder, sondern viel mehr auf berufstätige Mütter zugeschnitten sein, fordert REA-Geschäftsführer und Gemeinderat Günter Salchner.
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Von Simone Tschol

Außerfern – „Da gibt es einen ganz massiven Konstruktionsfehler“, kritisiert der Geschäftsführer der Regionalentwicklung Außerfern (REA), Günter Salchner, das staatliche Kinderbetreuungssystem. „In Österreich beginnt die staatliche Betreuung, wenn das Kind drei Jahre alt ist. Wenn man Pech mit dem Stichtag hat, sogar erst im vierten Lebensjahr des Kindes. Wenn man nun bedenkt, dass die meisten Frauen zwei Jahre in Karenz gehen, klafft hier eine gravierende Lücke. Diese kann, sofern keine Großeltern zur Hand gehen, nur durch private Einrichtungen geschlossen werden“, zeigt Salchner, der auch Gemeinderat in Reutte ist, die Problematik auf.

Er wolle nicht missverstanden werden, den privaten Einrichtungen ihre Daseinsberechtigung nicht absprechen. Diese seien natürlich wichtig. Aber sie würden einerseits die Familien eine Menge Geld kosten und seien andererseits nicht überall vorhanden. Salchner: „Im Großraum Reutte sind wir mit den Mühlmäusen, dem Eltern-Kind-Zentrum, dem Josefsheim und dem Verein Together gut aufgestellt. Aber draußen in den Talschaften sieht die Situation anders aus. Und meiner Ansicht nach ist die versteckte Botschaft für die Frauen nur allzu deutlich: ,Raus aus dem Job und ab hinter den Herd!‘“

Für den Regionalmanager spießt es sich hier ganz gewaltig. „Alle jammern immer über Fachkräftemangel und Altersarmut. Ja, dann lasst doch jene Frauen, die es wollen, berufstätig sein!“, macht Salchner seinem Unmut Luft.

In Deutschland habe man drei Jahre Elternzeit und anschließend einen Anspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz. Salchner fordert daher auch in Österreich ein Umdenken – beispielsweise in Richtung „unterjährige Einstiegsmöglichkeit“ in die staatliche Betreuung. „Denn wenn das Kind kurz nach dem Stichtag drei wird, muss es noch ein ganzes Jahr zuhause betreut werden oder in die Kinderkrippe. Aber dort ist es aus pädagogischer Sicht ja auch nicht mehr richtig aufgehoben“, ist sich Salchner sicher.

Dass das System so ist, wie es ist, hat nach Ansicht von Salchner noch einen ganz anderen Grund. „Die Kommunalpolitik wird hierzulande noch immer vorwiegend von älteren Männern gemacht. Viele von ihnen haben meist noch ein ganz traditionelles Familienbild. Ich will das nicht werten. Aber man muss sich schon überlegen, ob das heute noch zeitgemäß ist.“

Auch was die Pflege betrifft, sei vieles Frauensache. „Erst heißt es für die Frauen: ,Raus aus dem Job‘, um die Kinder großzuziehen, dann heißt es, den Beruf aufzugeben, um Angehörige zu pflegen. Oft über Jahre. Zu guter Letzt will dich dein Partner nicht mehr und tauscht dich gegen eine Jüngere aus, und dann stehst du als Frau plötzlich vor dem Nichts. Das hört sich jetzt plakativ an. Aber man muss diese Brisanz schon auch einmal aufzeigen.“


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