Mietenhammer trifft die Studenten in Innsbruck voll

Mit durchschnittlich 620 Euro für 40 Quadratmeter ist studentisches Wohnen in Innsbruck mit Abstand das teuerste aller Universitätsstädte.

Innsbruck ist stolz darauf, eine Studentenstadt zu sein, doch die 35.000 Studierenden bezahlen dafür einen hohen Preis.
© thomas boehm

Innsbruck – Die Preisspirale in Innsbruck schraubt sich unaufhörlich weiter nach oben. Studenten müssen aktuell am freien Wohnungsmarkt durchschnittlich 620 Euro für eine 40m² große Wohnung hinblättern. Der Betreiber des Immobilienportals „immowelt“ hat jetzt die Gesamtmieten in zwölf Universitätsstädten in Österreich verglichen, Innsbruck ist dabei doppelt so teuer wie etwa Leoben. Außerdem haben die Mieten in der Tiroler Landeshauptstadt von 2018 auf 2019 noch einmal um drei Prozent angezogen.

Der Druck auf den studentischen Wohnungsmarkt mit 35.000 Studierenden an den Innsbrucker Universitäten wird von Jahr zu Jahr größer, Garçonnièren fehlen und die Mieten explodieren. Dornbirn ist die zweitteuerste Stadt (580 Euro/40 m²), gefolgt von Salzburg (570 Euro) und Wien (550 Euro). „Das allgemein hohe Mietenniveau und die große Konkurrenz um die Wohnungen durch viele Studenten sorgen in diesen Städten für die hohen Preise“, heißt es in der Studie von immowelt.

Das allgemein hohe Mietenniveau und die große Konkurrenz um Wohnungen sorgen für die hohen Preise.
immowelt-Mietenvergleich

Jeder dritte Student wohnt deshalb in einer Wohngemeinschaft, dort bezahlen sie in Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen im Schnitt 450 Euro pro Kopf . Das ist für sie gerade noch leistbar. In den 38 Studentenheimen zahlen Studierende bis zu 400 Euro. Die 3650 Heimplätze sind allerdings nur bedingt attraktiv, ein Drittel sucht nach ein bis zwei Semestern bereits wieder das Weite und zieht aus.

Die Politik tritt auf der Stelle, der seit Jahren versprochene Studenten-Campus wird in Sonntagsreden verpackt. Bürgermeister Georg Willi (Grüne) hat 2000 Studenten-Wohnungen angekündigt, die schwarz-grüne Landesregierung würde studentisches Wohnen mit insgesamt 50 Millionen Euro unterstützen. Aber: „In der Innsbrucker Stadtregierung und unter Geor­g Willi herrscht Stillstand, wenn es um eine längst notwendige Studentenwohnanlage geht“, kritisieren LA Markus Sint und Tom Mayer von der Liste Fritz. Ihr Antrag auf ein koordiniertes Vorgehen, um endlich zu geeigneten Grundstücken für eine Studentenwohnanlage zu kommen, wurde Ende Februar vom Innsbrucker Stadtsenat mit der Begründung abgelehnt, dass er „überholt“ sei. „Allerdings kennt niemand ein schlüssiges Konzept fürs studentische Wohnen und schon gar kein geeignetes Grundstück“, sagt Sint.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaper

Und jetzt? Wie so oft soll es einen runden Tisch von Stadt, Land Tirol und potenziellen Heimbetreibern geben. Entscheidend, und da sind sich alle Experten einig, ist einmal ein Grundstück in Uninähe. Doch bisher dürften alle Anstrengungen erfolglos gewesen sein, und Papier ist wie immer geduldig. Denn wie heißt es in dem im März 2018 zwischen ÖVP und Grünen vereinbarten Programm zur Bildung einer neuen Landesregierung: Mit der Errichtung eines großen Studenten­campus in Innsbruck solle der überhitzte Wohnungsmarkt entlastet und dafür 50 Millionen Euro bereitgestellt werden. Substanzielle Fortschritt­e wurden aber noch nicht gemacht. (pn)


Kommentieren


Schlagworte