vorarlberg museum zeigt Kristberger Flügelaltar vollständig

Der Kristberger Flügelaltar aus dem Jahr 1478 ist nach 130 Jahren wieder vollständig. Das vorarlberg museum erstand kürzlich nach einem Auktionskrimi mit dem Heiligen Georg die fehlende Mittelfigur. Bei dem Altar handle sich um ein „Prunkstück der Vorarlberger Kunstgeschichte“, so Direktor Andreas Rudigier anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Die 14 Nothelfer“ am Donnerstag.

Der spätgotische Flügelaltar, der geschlossen als Werktagsseite den Heiligen Daniel als Bergmann zeigt und aufgeklappt an Festtagen unter anderen die Heiligen Georg und Wolfgang sowie den Evangelisten Matthäus, wurde 1478 in einer süddeutschen Werkstätte erbaut und stand lange in der Pfarrkirche von Silbertal (Montafon). Im Zuge der barocken Umgestaltung der Pfarrkirche wanderte der kleine Altar in die Bergknappen-Kapelle am Kristberg. 1887 wurde das Stück auf der Vorarlberger Landesausstellung in Bregenz gezeigt, doch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Altar von der Pfarre verkauft und landete auf Umwegen in deutschem Privatbesitz. Erst vor wenigen Jahren glückte dem vorarlberg museum nach mehreren erfolglosen Versuchen der Rückkauf um 80.000 Euro. Der Altar wurde restauriert bzw. konserviert und ausgestellt.

Allerdings war dem Kleinod im Laufe der Zeit, vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts, die Mittelfigur abhandengekommen. Diese war durch einen anderen Heiligen Georg ersetzt worden. Ein Hinweis des Kunsthistorikers Albrecht Miller, der den ursprünglichen Drachentöter Ende 2019 in einem Kölner Auktionskatalog entdeckte, brachte diesen nun zurück nach Vorarlberg. „Er rief an und sagte aufgeregt ins Telefon: ‚Der richtige Georg ist zu haben!‘“, erinnerte sich Direktor Rudigier. Das Museum musste jedoch wegen des hohen Preises aus der Auktion aussteigen. Weil der Bestbieter aber nicht bezahlte, bekam das vorarlberg museum doch den Zuschlag. Für 32.500 Euro, je zu einem Drittel finanziert von den Montafoner Gemeinden, dem Land und dem Museum, ging die Figur zurück nach Vorarlberg. „Seit gestern ist der Altar nun wieder vollständig, so wie er zuletzt vor 130 Jahren öffentlich zu sehen war“, so Rudigier.

Um Heilige dreht sich auch die neue Ausstellung im vorarlberg museum. „14 Nothelfer. Ein himmlisches Versicherungspaket“ berichtet von Legenden und Darstellung dieser Schutzheiligen in Vorarlberg. „Die 14 Nothelfer waren eine Art Bündelversicherung früherer Zeiten“, so Rudigier, der mit der Schau ein Thema der Kulturlandschaft und Kunstgeschichte des Landes ins Haus holte. Weil die 14 Heiligen, drei Frauen und elf Männer, zumeist auf Altarbildern dargestellt sind, sind ihre Abbildungen in der Schau als Flügelaltäre gestaltet. Dazu kommen Bilder und Figuren aus dem Depot des vorarlberg museum.

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Ob ein Nothelfer auch gegen das Coronavirus helfen kann? „Das ist das Tolle daran: Wenn man nicht genau weiß, wer wofür zuständig ist, betet man einfach zu allen als große, kräftige Einsatztruppe. Da wird schon der Richtige dabei sein“, erklärte Markus Hofer, Buchautor und Leiter der Fachstelle Glaubensästhetik der Diözese Feldkirch, das im Spätmittelalter entstandene Konzept der Nothelfer. Bis auf den Einsiedler Ägidius waren alle der himmlischen Fürsprecher Märtyrer. Sie wurden zur Lebensbewältigung bei allerlei Alltagssorgen und -nöten angerufen: Schutz vor schlechtem Wetter, vor Krieg und bösen Geistern, bei Krankheiten, Seelenleiden, bei Geburten und im Todesfall. „Damals war man dem Wetter existenziell ausgeliefert. Wenn die Ernte schlecht war, hungerte man im Winter. Im Mittelalter war es gesünder, zu den Nothelfern zu beten, als sich der damaligen Medizin mit ihren Badern und Scharlatanen zu überlassen“, so Hofer über das damalige Leben.

Historisch lassen sich die Nothelfer nicht fassen. Die biografischen Lücken füllte man mit abenteuerlichen Heldengeschichten. So überlebten die Heiligen schreckliche Martern wie ein Bad in siedendem Öl oder töteten Drachen. „Es ist wie bei Harry Potter oder Game of Thrones“, so Hofer. Die Lust am Nervenkitzel habe in der Kirche dazugehört, wenn der Pfarrer bei Kerzenschein von den Heiligen berichtet habe, deren Darstellungen als eine Art Bilderbibel die Wände der Gotteshäuser schmückten. „Geschichten waren wichtig für die Menschen, heute heißt das Narrativ. Das waren starke Männer und Frauen, die Sieger blieben, obwohl sie viel durchgemacht haben“, erklärte Hofer. Man hatte in ihnen einen Ansprechpartner für Sorgen und Ängste, so habe sich auch Unabwendbares besser annehmen lassen. Hofer warnte dabei vor Arroganz, wenn man schaue, worauf Menschen heute bauten. Die „Gesundheitsreligion“ sei mindestens so irrational wie die Hoffnung auf Beistand durch die Nothelfer. „Es ist immer der Glaube, der hilft“, betonte Hofer.

(S E R V I C E - „Die 14 Nothelfer. Ein himmlisches Versicherungspaket“. Ausstellung im vorarlberg museum. 7. März bis 24. Mai, Eröffnung am 6. März, 17.00 Uhr. Zur Ausstellung erschien im Tyrolia Verlag das Buch „Die Vierzehn Nothelfer. Das himmlische Versicherungspaket“ von Markus Hofer und Andreas Rudigier, vorarlberg museum Schriften 49, 192 Seiten, 24,95 Euro)


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