Ein Fonds, der den deutschen Nachbarn Schienen macht

Die Wirtschaftskammer Österreich will die Schwerverkehrsverlagerung auf die Schiene forcieren – auch im EU-Ausland. Der Politik rät sie, „sensibel“ zu steuern.

Die WKO will mittels Fonds die deutsche Bahninfrastruktur pushen.
© Vanessa Rachlé/TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – 2018 bewegte das Transportgewerbe laut Wirtschaftskammer Österreich (WKO) innerösterreichisch insgesamt 574 Millionen Tonnen auf der Straße. Davon entfielen über 70 Mio. Tonnen allein auf den Transit-Schwerverkehr. Die Schiene schaffte im selben Jahr 105 Mio. Tonnen. Die WKO interpretiert diese Zahlen so, dass im Transitbereich in Sachen Verlagerung auf die Schiene noch jede Menge Luft nach oben sei. Gerade, um Regionen wie Tirol zu entlasten, aber auch gleichzeitig einen Beitrag zu den Klimaschutzplänen der Bundesregierung beizusteuern. „Es reicht aber nicht, die Verlagerung erst an der Grenze zu Österreich beginnen zu lassen“, sagt Alexander Klacska, WKO-Bundesspartenobmann Transport und Verkehr. Hierfür benötige es nicht nur in Österreich ausreichende Kapazitäten („Der Ausbau des Personenverkehrs wird die Kapazitäten des Güterschienenverkehrs einschränken“), sondern auch im EU-Ausland. „Unsere Nachbarn lassen uns da im Stich“, spielt Klacska auf fehlende Verladeterminals in Deutschland an.

Abhilfe könnte ein Körperschaftssteuer-begünstigter „Zukunftsfonds“ schaffen. Damit geht die WKO schwanger. Dessen Ziel soll sein, in den Auf- und Ausbau des europäischen Schienennetzes zu investieren – im Inland wie auch in den Nachbarstaaten, wie Klacska ausführt.

Was die Kostenwahrheit im Güterverkehr zwischen Schiene und Straße betrifft, so will sich die WKO nicht generell gegen die von Tirol geforderte Korridormaut (München-Verona) stellen. „Der inner­österreichische Verkehr darf aber nicht massiv verteuert werden“, verweist Klacska auf kammerinterne Berechnungen, wonach Österreich im EU-Vergleich bei den Abgaben (Maut, Dieselsteuer) weit vor Deutschland, Italien oder Ungarn liegt. Der Politik rät die WKO, hier „sehr sensibel mit neuen Steuerungsmechanismen umzugehen“.

Lkw-Transit steigt wieder

Nach einem Minus im Jänner (-2,17 %) ist die Zahl der Lkw-Fahrten an der Asfinag-Hauptmautstelle der Brennerautobahn bei Schönberg im Februar wieder gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat fuhren mit in Summe 201.306 um 0,81 Prozent mehr Laster der Mautkategorie 4 (Transit-Lkw) durch Tirol. Die Entlastung im Zweimonatsvergleich sinkt damit auf einen Rückgang von nur noch 0,68 %. Und das, obwohl mit Jahreswechsel das sektorale Lkw-Fahrverbot verschärft wurde. (mami)

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