Lienzer Hobby-Flugzeughistoriker erzählt: „Wie ein Drache in der Luft“

Nach einem TT-Artikel gingen bei einem Lienzer Hobby-Flugzeughistoriker viele Details zu Hubschrauberlandungen und einem Fliegerabsturz im Stubai ein. Noch sind aber Fragen offen.

Am 24. September 1951 entdeckte Wolfgang Grienberger aus Trins in den Stubaier Alpen das Wrack eines „Fieseler Storchs“ aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
© Archiv Grienberger

Fulpmes, Neustift, Lienz – Zwei interessante historische Ereignisse aus dem Stubaital konnte der Lienzer Hobby-Flugzeughistoriker Roland Domanig im September 2019 zurück ins kollektive Gedächtnis rufen – nämlich den Absturz eines deutschen Kleinflugzeugs („Fieseler Storch“) nahe der Dresdner Hütte sowie Höhenflüge des geheimen deutschen Großhubschraubers Fa 223. Vom NS-Regime war das Stubaital als Gebiet auserkoren worden, das der militärischen Forschung wie auch der Gebirgsausbildung von deutschen Soldaten dienen sollte.

Auf den TT-Artikel hin meldeten sich beim Lienzer gleich mehrere Zeitzeugen, die wertvolle Angaben zu den Geschehnissen beisteuerten: So konnte der bekannte Fulpmer Schmiedemeister Kurt Mair mit großer Genauigkeit Details aus der NS-Zeit in Fulpmes erzählen: Das ehemalige Grand-Hotel diente damals als militärische Hochgebirgsschule, als Ausbildungsstätte und Unterkunft für Soldaten und Lehrpersonal. Immer wieder landeten dazu kleine Flugzeuge (Fieseler Storch) vor dem Gebäude und brachten vermutlich hochrangige militärische Kontrollkader und Armeeurlauber zur Schule. Zwangsarbeiter mussten in aller Früh die angelieferten Lebensmittel und Sachgüter aus der Stubaier Bahn abladen.

Wolfgang Grienberger aus Trins.
© Huter

Einmal, so erzählte Mair weiter, herrschte in seiner Schulklasse gespannte Unterrichtsruhe, als plötzlich ein unheimliches Rauschen die Gegend erfüllte, sodass selbst das Schulgebäude erzitterte. Kurt Mair und die anderen Schüler, vom Fluglärm der US-Bomber sensibilisiert, sprangen entsetzt von den Bänken auf und stürzten ins Freie. Ein unbekannter, ungeheurer Flugapparat, einem Drachen gleich, zog mit Höllenlärm über Fulpmes hinweg, um schließlich in den Feldern vor Medraz niederzugehen. Bei den Buben herrschte Riesenaufregung, doch gleich machten sich die Ersten auf den Weg, um den angekommenen „Drehflügler“ (deutscher Hubschrauber Fa 223) näher besichtigen zu können, bevor dieser Richtung Dresdner Hütte abhob.

Auch Zeitzeugen Kurt Mair und Sepp Hofer (unten) steuerten wertvolle Erinnerungen bei.
© Michael Domanig

Manfred Kaufmann aus Zirl wiederum konnte berichten, wie er nach dem Krieg den Hubschrauber-Testpiloten Carl Bode auf die Eppzirler Alm geführt hatte. Dort hatte Bode im April 1945 einen der letzten Fa223-Hubschrauber gemäß Befehl sprengen müssen, um ihn nicht in die Hände der Gegner fallen zu lassen. Sepp Hofer, heute in Lans wohnhaft, dürfte einen Drehflügler sogar in Sand in Taufers beobachtet haben: „Er flog langsam, sah aus wie ein fliegender Hochspannungsmast und verbreitete ohrenbetäubenden Krach.“

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Ludwig Gedicke, Hüttenwart der Dresdner Hütte, fand im Hüttenbuch viele Eintragungen zu großen NS-Militärübungen von 1943–45. Über die Ankunft von Hubschraubern oder einen Fliegerabsturz war darin allerdings nichts zu lesen. „Ich selbst habe in den 50er-Jahren in der Wintersaison noch Rettungsflüge mit einem Fieseler Storch erlebt. Der Pilot war ein ehemaliger Major der Luftwaffe.“

Zeitzeuge Sepp Hofer.
© Michael Domanig

Auch was den – nach wie vor undatierten – Absturz eines Fieseler Storchs nahe der Dresdner Hütte betrifft, war der Aufruf in der TT erfolgreich: Wolfgang Grienberger aus Trins konnte sogar mit einem Foto des Wracks aus dem Jahr 1951 aufwarten. Er war im Rahmen einer Gletschertour in den Stubaier Alpen plötzlich darauf gestoßen und hielt das Wrack zum Glück mit der Kamera fest.

Die Details zum Absturz bleiben aber weiter offen: Fieseler Störche haben Kurt Mair zufolge in der NS-Zeit den Stubaier Luftraum durchkreuzt, auch Versorgungsflüge von Fulpmes zur Dresdner Hütte sind sicher erfolgt. Unbeantwortet sind die Fragen nach dem Namen und Schicksal des Piloten und eben dem Absturzdatum. Hintergrund: Gemäß einer militärischen Gepflogenheit der NS-Luftwaffe wurden deutsche Fliegerabstürze nicht publiziert.

Wer weitere Informationen hat – zu diesem Fall, zum Absturz des deutschen Piloten Eberhard Heiser nahe Steinach oder auch zum Absturz einer Stinson (US-Flugzeug) im hintersten Gschnitztal –, möge sich bitte bei Roland Domanig melden: Tel. 0676/3869065 oder per E-Mail: domanig. tirol@utanet.at (TT)


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