Bürgermeister-Einheit gegen Transit in Strass: „Die Grenze ist jetzt erreicht“

Es waren nur wenige Bürgermeister, die sich in Strass zu einer Einheit gegen den Transit durch Tirol zusammenschlossen. Dennoch will man mit aller Kraft gegen den überbordenden Güterverkehr vorgehen.

Viele Stühle blieben beim Bürgermeistertreffen in Strass leer, aber die Anwesenden unterstützen die Petition gegen den Transit mit aller Kraft.
© Eva-Maria Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Strass i. Z. – Es hätte ein Bild der großen Einigkeit sein sollen. Ein Treffen des über­regionalen Zusammenschlusses. Ein Pakt, der gegen den ansteigenden Transit, gegen den Güterverkehr vorgeht. Doch von den 60 geladenen Bürgermeistern aus den Bezirken Innsbruck-Land, Schwaz und Kufstein entlang der Inntalautobahn waren nur 26 gekommen. Und zwei davon waren die Gastgeber.

Ein ernüchterndes Bild – und das, obwohl der erste große Schritt schon getan war, denn vorige Woche trafen sich die Bürgermeister aus Nord- und Südtirol entlang der Brennerroute. Sie unterzeichneten eine Resolution an die EU-Kommission, die Verkehrsminister und die Landes- sowie Bundesregierung. Es geht um die Lkw-Korridormaut, Fahrverbot-Akzeptanz, Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel und eine faire Verteilung der Güter über den Alpenbogen. Kurzum: Die Bürgermeister fordern weniger Transitverkehr über den Brenner.

„Die Grenze ist jetzt erreicht“ – darüber waren sich alle Anwesenden im Hotel Post in Strass einig. Es brauche ein Zeichen, dass man sich nicht mehr alles in Sachen Transit gefallen lasse, denn dass der Brenner Europa gehöre und nicht Tiro­l – wie die EU-Kommissarin Adina Valean vor Kurzem in Innsbruck betont hatte –, könn­e man so nicht stehen lassen. Federführend für den Schulterschluss der Bürgermeister agiert bisher der Breitenbacher Ortschef und LA Alois Margreiter. Er drohte mit seinen Mitstreitern sogar Autobahnblockaden an. Das kam beim Bürgermeistertreffen in Strass nicht gut an. „Ich unterstützte die Resolution. Es ist furchtbar, was da an Verkehr auf unseren Straßen los ist, aber von Blockaden halte ich nichts“, sagte BM Hubert Hußl aus Terfens. Da gaben ihm mehrere Dorfchefs Recht. Am Tag nach der Blockade stehe man noch immer gleich da. „Schauen wir mal, welche Reaktionen auf die Resolution kommen. Böse werden können wir immer noch“, meinte BM Geor­g Aichner-­Hechenberger aus Erl.

Die großen Themen des Abends waren der Tanktourismus und das damit verbundene Dieselprivileg. „Die Lkw-Tankstelle in Brixlegg ist total überlastet und das überfordert zugleich die Bevölkerung. Ich verstehe nicht, warum das Auflösen des Dieselprivilegs nicht einfach geht“, meinte der Kramsacher Ortschef Bernhard Zisterer. Weitere Betroffene stimmten ihm zu. Mit Abfahrtsverboten alleine sei es nicht getan. Der Bund ist laut ihnen mehr gefordert. Für Margreiter ist klar: Solange der Diesel auf der Autobahn nicht gleich viel kostet wie sonst überall, bekommt man das Problem nicht in Griff.

Lkw-Bremse muss bleiben

Wörgl – An der Blockabfertigung für LKw auf der Autobahn wird nicht gerüttelt – das war eine Kernaussage der Grünen Bundespolitikerin Barbara Neßler und ihres Parteikollegen Hermann Weratschnig bei einer Pressekonferenz in Wörgl. Die beiden kündigten an, dass versucht wird diese Verkehrsbremse auf Höhe München zu installieren, damit sich Transportunternehmer überlegen können, ob sie eine andere alpenquerdende Route nehmen. Zudem soll weiter über eine höhere Korridormaut verhandelt werden. Was den LKW-Tankverkehr abseits der A 12 anbelangt, seien dies Sünden der Vergangenheit, da das Problem auch auf die Raumordnung der Gemeinden 
zurückginge. (TT)

Barbara Neßler und Hermann Weratschnig.
© Spielbichler

„Ich finde es bedenklich, wenn wir Interessen von Tirol nicht in der österreichischen Politik durchsetzen können“, sagte BM Martin Krumschnabel aus Kufstein. Ohne selbst Opfer zu bringen, sei es nicht möglich, das Verkehrsproblem zu bewältigen. „Wenn die Aufhebung des Dieselprivilegs 300.000 Fahrten weniger bringt und die Einführung der Korridor­maut 800.000 weniger, und wir damit von Bayern und Italien verlangen, ihre Wirtschaft zu belasten, wir aber unseren Staatshaushalt samt Asfinag nicht belasten wollen, weil uns das Geld kostet, dann sind wir völlig unglaubwürdig“, sagte Krumschnabel.

Das Asfinag-Gesetz ist laut ihm „mit einem Handaufheben im Nationalrat geändert“. Auch wenn man die Wirtschaft damit gegen sich aufbringe, anders gehe es nicht. BM Dietmar Wallner aus Jenbach forderte mehr Unterstützung der Wirtschaft in dieser Thematik. „Der überbordende Transit schadet unserer Wirtschaft. Bei diesen Luftschadstoffen können wir bald kein­e Gewerbegebiete mehr an der Autobahn widmen“, sagte Wallner.

Der Wörgler Verkehrsreferent Emil Dander gab zu bedenken, dass es auch ein Umdenken der Bevölkerung brauche, ob man wirklich immer alles benötige, was der Lkw liefert. Man habe bisher „gewaltige Böcke“ geschossen und er fand, dass die EU-Kommissarin den Tirolern einen Spiegel vorgehalten hat. Es müsse endlich etwas geschehen. „Die Leute kommen von überall her zu uns auf Urlaub, aber wir schaffen es nicht, unser Land zu schützen, weil wir alles dem Transit unterordnen“, sagte er.

Unter den 26 Dorfchefs war auch VBM Klaus Gritsch aus Kematen: „Wir haben bei uns vielleicht nicht den Schwerverkehr wie ihr, aber wir Oberländer unterstützen alle Gemeinden von Erl bis Gries am Brenner gegen den Transit.“


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