Waffenruhe in syrischer Provinz Idlib brüchig

Trotz der am Donnerstag vereinbarten Waffenruhe für das letzte große syrische Rebellengebiet um die Stadt Idlib sind Kämpfe zwischen Regierungstruppen und ihren Gegnern ausgebrochen. Dabei habe es im Osten der Region auf beiden Seiten Tote gegeben, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Zunächst hatte es geheißen, die Waffenruhe halte.

Russland und die Türkei hatten sich als Schutzmächte der syrischen Regierung einerseits und der Rebellen andererseits am Donnerstagabend auf eine neue Waffenruhe für Idlib geeinigt. Sie trat um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft und war zunächst auch eingehalten worden. Weder die syrische Regierungsarmee noch die mit ihr verbündeten russischen Verbände hätten zunächst ihre Luftangriffe in Idlib fortgesetzt, hatte es ursprünglich geheißen.

Auch Bewohnern und Oppositionsvertretern zufolge hielt die Waffenruhe zunächst weitgehend. Es habe weder neue Luftangriffe noch schweren Artillerie-Beschuss geben, erklärten sie Freitagfrüh. An einigen Frontlinien gebe es sporadisches Maschinengewehr- und Granatwerferfeuer. „Wir sehen in den ersten Stunden bei allen Kriegsparteien eine gespannte Ruhe“, sagte ein Oppositionsvertreter. Jeder sei sich bewusst, dass ein Verstoß Konsequenzen haben würde. „Es ist aber eine sehr fragile Waffenruhe.“

Noch einige Stunden vor der Waffenruhe hatte die türkische Armee Stellungen der syrischen Regierungsarmee mit Drohnen angegriffen, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte. Bei diesen Angriffen seien 21 syrische Soldaten „neutralisiert“ worden - „neutralisiert“ bedeutet im Militärjargon üblicherweise die Tötung von feindlichen Kämpfern.

Die türkischen Drohnenangriffe waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums ein Vergeltungseinsatz für die Tötung von mehr als 30 türkischen Soldaten durch die syrischen Regierungstruppen in jüngster Zeit. Während nach Mitternacht laut der Beobachtungsstelle dann „relative“ Ruhe eintrat, feuerte die syrische Regierungsarmee in an die Provinz angrenzenden Gebieten von Aleppo und Hama mehrfach Artillerie auf Positionen der Aufständischen ab.

Seit Anfang Dezember sind in der Region fast eine Million Menschen vor den Kämpfen und den heranrückenden Regierungstruppen geflohen. Hilfsorganisationen sprechen von einer humanitären Katastrophe, weil sie es nicht mehr schaffen, die Menschen ausreichend zu versorgen.

Die EU-Außenminister beraten am Freitag in Zagreb über die Situation in dem Bürgerkriegsland Syrien. Zugleich werden die Minister die Lage in der Türkei und an der Grenze zu Griechenland besprechen. Ankara hatte die Grenze zur EU am Wochenende für offen erklärt und verstößt damit gegen das EU-Türkei-Abkommen. Die Minister werden wohl dennoch über weitere Hilfsgelder für die Versorgung von Flüchtlingen in der Türkei beraten - vorausgesetzt, Ankara kehrt wieder zu dem Abkommen zurück.


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