Mindestens 29 Tote bei Angriff auf Politiker in Kabul

Bei einer Gedenkveranstaltung für einen ehemaligen schiitischen Anführer sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 29 Menschen getötet worden, unter ihnen auch die beiden Angreifer. Weitere 55 Menschen wurden bei dem Angriff auf die Veranstaltung mit hochrangigen Politikern verletzt. Die radikalislamischen Taliban dementierten umgehend, für den Angriff verantwortlich zu sein.

Auch Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah sowie andere Politiker nahmen nach offiziellen Angaben an der Veranstaltung für den prominenten Ex-Anführer der schiitischen Hazara-Gemeinschaft, Abdul Ali Mazari, am Freitag in der Früh teil. Sie befanden sich nach Angaben des Abdullah-Sprechers in Sicherheit. Mazari war der politische Führer der Hezb-e Wahdat Islami Afghanistan (Islamische Einheitspartei Afghanistans). Er wurde 1995 von den militant-islamistischen Taliban getötet.

Der Angriff erfolgte fast eine Woche nachdem die USA mit den Taliban ein Abkommen geschlossen hatten. Dieses sieht einen Abzug aller amerikanischen und anderen ausländischen Truppen bis Ende April kommenden Jahres vor, unter anderem im Gegenzug dafür, dass die Taliban Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung aufnehmen - wenn die Vereinbarung nicht scheitert. Die Taliban verpflichteten sich zudem, dass aus Afghanistan keine Gefahr für die Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten mehr ausgehe. Am Dienstag sollen erste Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban beginnen.

Schon 2019 hatte es einen Anschlag während der damaligen Gedenkveranstaltung gegeben, bei dem zahlreiche Menschen starben. Dazu hatten sich militante Islamisten des IS („Islamischer Staat“) bekannt. Der IS hat sich bisher zum aktuellen Anschlag nicht zu Wort gemeldet. Sunnitische Extremisten wie die Mitglieder der IS-Terrormiliz bekämpfen Schiiten als Abtrünnige.

„Der Angriff ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die nationale Einheit Afghanistans“, twitterte Afghanistans Präsident Ashraf Ghani. Außerdem habe er sich bei Abdullah und Khalili in einem Telefongespräch über deren Gesundheitszustand erkundigt, schrieb Ghani weiter.

Der Angriff vom Freitag erfolgte im mehrheitlich schiitischen Stadtteil Dasht-e Barchi im Westen Kabuls. Bereits 2018 und 2019 hatte es Angriffe auf Feierlichkeiten zu Ehren von Abdul Ali Mazari gegeben. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Damals hatte sich der IS zu den Angriffen bekannt.


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