Jubiläum für artacts in St. Johann: Leichtigkeit und Lebensfreude

Großartige Musik, begeistertes Publikum: artacts in St. Johann feiert runden Geburtstag.

„free music st johann“ mit dem Poeten und Slammer Markus Köhle.
© Dawid Laskowski

Von Christoph Haunschmid

St. Johann – Wenn die Ski­fahrer St. Johann verlassen, kommen die Musiker, und das bereits zum 20. Mal. Das artacts Festival in der Alten Gerberei ist ein Fixpunkt im jährlichen Kalender geworden, war auch in diesem Jahr glänzend besucht. Musikerinnen und Musiker aus der halben Welt treffen auf ein begeisterungsfähiges und sachkundiges Publikum. 16 Konzerte in der Gerberei und seiner näheren Umgebung wurden am vergangenen Wochenende geboten, ein Kinderworkshop, die feinen, kleinen Minimalgigs in der Klangkabine am Hauptplatz und eine schöne Fotoausstellung im Museum runden das Ganze ab.

Die aus dem oberösterreichischen Ottensheim stammende Geigerin Irene Kepl fungierte als Headlinerin. Am Samstag spielte sie im Trio mit dem Bassisten John Edwards und dem Altsaxophonisten Colin Webster. Einander zuhören, flexibles Reagieren auf das Tun der anderen ist angesagt. Das führt in wilde Turbulenzen, wird dicht und kommt doch immer wieder in ruhigeres Fahrwasser. Am Ende eine kleine Melodie, wie aus dem Nichts, eine winzige Coda, irgendwie beruhigend.

Eröffnet haben das Fest die Pianistin Ingrid Schmoliner und Meisterdrummer Hamid Drake. Schmoliner bevorzugt die dunklen Register, präpariert den Flügel sparsam, Drake­s Spiel strahlt Leichtigkeit und Lebensfreude aus. Das stellt einen reizvollen Kontrast dar und geht dennoch gut zusammen. Zum Abschluss des Freitags tat sich die Grazer Pianistin Elisabeth Harnik, sie ist Stammgast in St. Johann, mit zwei Meistern aus Chicago zusammen. Dav­e Rempis spielt die Saxofone, Michael Zarang ein fein ausdifferenziertes Schlagzeug. Ein Trio wie kommunizierend­e Gefäße. Die Sounds wogen hin und her, Klanggebilde werden aufgebaut, kollabieren, alles ist schlüssig. Harnik setzt Akkorde dicht an dicht, Rempis spielt das Tenorsax mit der Intensität eines Albert Ayler. Das Schlagzeug agiert eher im Hintergrund und baut Brücken. Großartiges Konzert.

Etwas Besonderes stellt das 2015 vom Gitarristen Gunter Schneider gegründete Ensemble free music st johann dar. Da geht es auch um ein Statement. Die Formation wäre ohne artacts nicht entstanden und spiegelt so die Beziehung von Konsum und Tun, von passiv und aktiv. Ruhig und entspannt gestaltet sich das freie Spiel der Kräfte. Zum Festival hat man sich den Dichter und Slam-Poeten Markus Köhle geladen, einen wortgewaltigen Sprachdrechsler, der sich bedenkenlos und vorurteilsfrei ins Getümmel wirft.

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