Komponieren kennt Stress, Barock wird Techno

Für das Jubiläumskonzert am Samstag im Canisianum wurden zum Thema „Stürmische Zeit“ vier Werke in Auftrag gegeben.

Caroline Mayrhofer und Magdalena Spielmann mit Kontrabassblockflöten in Manuel Zwergers „Dance Collection 2020“.
© Irene Rabeder/Innfocus

Innsbruck – Die 20. Auflage des InnStrumenti-Projektes „KomponistInnen unserer Zeit“ spricht von der Konsequenz des künstlerischen Leiters Gerhard Sammer in der Förderung gegenwärtigen Komponierens. Für das Jubiläumskonzert am Samstag im Canisianum wurden zum Thema „Stürmische Zeit“ vier Werke in Auftrag gegeben.

Als Werner Pirchner 1987 für Claus Peymanns Burgtheater-Inszenierung von Shakespeares „Der Sturm“ eine Bühnenmusik schrieb, entstanden sieben kurze Sätze für drei Flöten, Violoncello, Harfe und Gesang. Seine Frau Elfie, die von dem Auftrag berichtete, regte eine (2014 uraufgeführte) Fassung für Kammerorchester an. Peter Wesenauer, der die Bearbeitung vornahm, hat der Musik nun ein romantisch schwelgendes Gewand übergeworfen, das Pirchners unverkennbaren Umgang mit Instrumentation, Intervallen, Pausen etc. aufweichend verfremdet und nur selten (Beginn 3. Satz) kenntlich lässt.

Josef Schiechtl kennt den „Brainstorm“ des Komponierens samt Hektik vor dem Abgabetermin. Er thematisiert das raffiniert, beginnend mit einem Urgrund, aus dem eine wundersame Klarinettenmelodie aufsteigt. Viel Musik in fünf Minuten. Mitreißend Manuel Zwergers „Dance Collection 2020“, die die einstige barocke Suite nun mit Orchester und zwei Blockflöten – Caroline Mayrhofer, Magdalena Spielmann – in „vier Tänze der Elektronischen Musik: Dubstep, Electronic, House und Techno“ – übersetzt. Ein ansaugendes, raffiniertes, kluges, auch witziges Stück.

Margarethe Herbert gesellt in ihrem Stück „Gloomy“ zum Orchester das Celloquartett eXtracello, dem sie auch selbst angehört, und eine Frauenstimme. Mit Sensibilität, Intensität und viel Farbsinn geht sie durch Zeiten, Stile und ihre bedrückende Befindlichkeit angesichts der Bedrohung allzu schöner Tage. Stürmisch dagegen und wenig fassbar, wie in diesen Zeiten Klimawandel und Politik, legt Franz Hackl sein dreisätziges Werk „Snowball Earth“ an und griff zu (Bach-)Trompete und Flügelhorn. Notierte Musik, die sich leider nicht in Improvisation aufgelöst hat. InnStrumenti unter Sammers Leitung brachte wie immer im Uraufführungskonzert Flexibilität, technische Verlässlichkeit und Verständnis ein. (u.st.)

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