Kunstrückgabebeirat empfiehlt Restitution von Schiele-Bild

Der Kunstrückgabebeirat hat in seiner 95. Sitzung am Freitag zwei Rückgabe-Empfehlungen beschlossen. Das Gemälde „Vier Bäume“ von Egon Schiele soll aus dem Belvedere an die Erben nach Josef Morgenstern restituiert werden. Eine derzeit in der Österreichischen Nationalbibliothek befindliche Sammlung von über 370 Gebrauchskarten soll mangels Vorbesitzerhinweise dem Nationalfonds übereignet werden.

Schieles „Vier Bäume“ war im Besitz des Handelsagenten und Juristen Josef Morgenstern, der nach einer über mehrere Etappen gehenden Flucht verhaftet, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Seine Witwe Alice gab laut neu aufgefundenen Dokumenten im Österreichischen Staatsarchiv in den späten 1950er-Jahren gegenüber den österreichischen Behörden an, das Gemälde vor der Flucht nach dem „Anschluss“ Österreichs einem befreundeten Rechtsanwalt Robert Röhrl zur Verwahrung übergeben zu haben. Über diesen wurde es mittels der Wiener Galerie L.T. Neumann im Jahr 1943 von der Österreichischen Galerie angekauft. Der Beirat beurteilte laut heutiger Aussendung die Verfügungen des Rechtsanwalts als „nichtige Rechtshandlungen“ und empfiehlt daher die Rückgabe.

Der zweite Fall betrifft eine Sammlung von über 370 Gebrauchskarten (Berg-, Wander-, Straßenkarten etc.), die teilweise mit anderen aus den Wohnungen deportierter jüdischer Bürger stammenden Gegenständen in der Triester Synagoge gesammelt und der Österreichischen Nationalbibliothek ab Spätherbst 1938 von der Gestapo zugewiesen wurden. „Nachdem der Beirat damit das Vorliegen einer Entziehung dieser Objekte feststellt, jedoch mangels Vorbesitzerhinweise ausschließt, dass eine Zuordnung zu den konkreten geschädigten Personen jemals möglich sein wird, empfiehlt er die Übereignung an den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus zur Verwertung gemäß Kunstrückgabegesetz“, so der Beschluss.

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