37 Innovatoren vor dem Vorhang: Besondere Betriebe aus Osttirol

Der Bezirk Lienz ist nicht mehr das „Armenhaus Tirols“. Das zeigte sich bei der Präsentation des neuen Buches „Innovatoren am Land“. Das Werk versammelt 37 Osttiroler Betriebe, die Besonderes leisten.

Innos-Geschäftsführer Richard Piock erzählt im Interview mit Karin Stangl über die Entstehung des Buches „Innovatoren am Land“.
© Agu Daniela

Lienz – Das Buch „Innovatoren am Land“ der Innos GmbH fasst zum ersten Mal die Kreativität der heimischen Betriebe zusammen und zeigt, dass Osttirol schon lange nicht mehr das „Armenhaus Tirols“ ist, sondern gerade wirtschaftlich und technisch einiges zu bieten hat. Kürzlich wurde das Werk auf dem Campus Technik Lien­z präsentiert.

„In Osttirol ist ein enormes Potenzial vorhanden, das allerdings durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit gezielt bekannt gemacht werden muss“, erklärt Mitinitiator und Mitautor Richard Piock, Geschäftsführer der Innos GmbH. Mit dem Buch möchte man Gäste aus aller Welt auf Osttirol als Wirtschaftsstandort aufmerksam machen. Es soll Unternehmer anlocken und um Studenten werben, also als Marketing­instrument dienen.

Innovation hat in Osttirol seit jeher Tradition. Der Villgrater Bauer Michael Pirgler baute beispielaweise schon im Jahr 1897 die erste Güterseilbahn Tirols zur Erleichterung der beschwerlichen Bauernar­beit. Pirgler errichtete in den Zwanzigerjahren dann in ganz Osttirol und Oberkärnten über 100 Aufzüge, seine Erfindung fand in der Folge viele Nachahmungen.

„Vielleicht ist gerade die besondere Lage Osttirols verantwortlich dafür, dass der Erfindergeist wach ist“, vermutet Autorin Heike Mayer. „Abgeschnitten von Nordtirol hatte das durchfurchte Gebirgsland immer Herausforderungen für seine Bevölkerung parat. Die Menschen waren stets gefragt, sich ihrer Situation zu stellen.“ Mayer ist Professorin für Geographie und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bern. Ihre Expertise liegt in Fragen der Regionalentwicklung. Ihr ist aufgefallen, dass häufig der Kunde durch seinen Auftrag Neuerungen anstößt.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

So sieht das auch Anton Berger von der Firma Berger Automation, die im Buch vorgestellt wird. Der Metallfachmann machte sich 2007 selbstständig, seine erste Maschine war eine Leimauftragsmaschine. Es gelang, bei halbem Personaleinsatz die Effizienz zu verdoppeln. Automatische Bohr- und Schraubstationen, Bearbeitungsanlagen für Wellen aus Stahl und Titan, automatische Schalungssysteme für Aufzugsschächte und Tunnelbau, Messmodule und einiges mehr hat er in seiner Firma entwickelt.

Präsentiert werden auch die Errungenschaften holzverarbeitender Betriebe. Die Firma Unterrainer mit ihrem neuartigen Leimbinderverfahren oder die Firma Forcher mit ihren Holzbadewannen sind nur zwei Beispiele für Erfolgsgeschichten. Auch die Lebensmittelindustrie punktet. Mit Loacker, Unterweger Marmelade und Defregger Senf ist Osttirol gut vertreten.

37 Innovationen finden sich in dem neuen Buch. Ob ein Holzofen zum Brot­backen in Japan, ein Shisha-Zelt im Irak, Rasierpinsel für Barber-­Shops in den USA oder Sicherheitstechnik für den Schweizer Gotthardtunnel – all das sind Produkte, die von Osttirol aus in die Welt geliefert werden.

Auf Initiative der Innos wurde 2016 eine Umfrage zur Osttiroler Innovationstätigkeit gestartet. Die Untersuchung der Betriebe hat ergeben, dass 82,2 Prozent der Befragten über keinen schriftlichen Plan verfügen, der Innovation vorsieht. In 78 Prozent der Unternehmen beschäftigt sich die Führungsebene mit der Entwicklung, in 19 Prozent der Betriebe ist das Personal damit betraut. 91 Prozent der Befragten messen Neuerungen einen hohen Stellenwert bei. Innovationsprozesse funktionieren im Gebirge anders als in großen Zentren, heißt es. Ost­tirol fällt vor allem durch „slow innovation“ auf. Das bedeutet, Veränderung geschieht in kleinen Schritten. Diese ist jedoch nachweislich ebenso nachhaltig wie effizient.

Ausgangslage für das Bemühen, den Standort Osttirol aufzuwerten, war eine Studie der Statistik Austria, die prognostizierte, dass bis 2035 nur noch 47.000 Menschen im Bezirk Lienz leben werden. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, beschloss man auf politischer Ebene gezielte Maßnahmen zu setzen. Das Ergebnis war die Bürgerbewegung „Vordenken für Osttirol“. Erste Erfolge der Bemühungen zeigten sich in der Studie „Zukunftsranking der österreichischen Bezirke 2019“ vom Institut Poechacker Innovation Consulting Linz. Der Bezirk Osttirol sprang von Platz 68 im Jahr 2018 auf Platz 10 im Jahr 2019. Besonders im Hinblick auf die Innovationsdynamik fällt der Bezirk Lienz positiv auf.

Die Innos GmbH sieht sich als regionale Standortentwicklung; mehr als das, neue Betriebsansiedelungen werden forciert, diese werden in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung begleitet. Das Ziel ist, sich als „Global Player“ zu etablieren und technisch vorne mit dabei zu sein. Wichtige Faktoren sind die Digitalisierung und die Kooperation mit Universitäten. (agu, TT)

In dem neuen Buch werden 37 Technologieführer aus Osttirol vor den Vorhang geholt.
© Agu Daniela

Kommentieren


Schlagworte