Diakonie begleitet Menschen mit Behinderung: Der größte Wunsch ist zu arbeiten

Seit sieben Jahren begleitet die Diakonie de La Tour in Lienz behinderte Menschen im Alltag. Unternehmen bieten zwar immer wieder Arbeitsplätze an, Arbeitsverträge werden jedoch kaum unterschrieben.

In Workshops bereiten sich die jungen Menschen mit Behinderungen im Sprungbrett Glöcklturm auf ein Berufsleben vor.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz – Das Arbeitsmarktservice meldet seit einigen Jahren mehr Beschäftigte als jemals zuvor im Bezirk Lienz. Beim Sprungbrett Glöcklturm, einer Einrichtung für behinderte Menschen der evangelischen Diakonie de La Tour, lässt schon ein einzelner bisher abgeschlossener Arbeitsvertrag Hoffnung aufkommen. Nämlich die Hoffnung, dass sich weitere Unternehmen für die Einstellung von Mitarbeitern mit Einschränkungen entscheiden.

„Bei Menschen mit Behinderungen erfolgt in Österreich sehr häufig der Bescheid ‚arbeitsunfähig‘“, berichtet Sonja Mietschnig, die Leiterin des Sprungbrett Glöcklturm. „Wer diese Einstufung bekommt, hat leider große Schwierigkeiten, am allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“ Damit verbunden ist für die Betroffenen meist die lebenslange Abhängigkeit von Sozialleistungen, ein Erwerb von Versicherungszeiten und in der Folge ein Pensionsanspruch ist häufig ausgeschlossen. Dabei treffe diese gesetzliche Qualifizierung faktisch gar nicht zu. „Es gibt eine Aufgabe“, ist Mietschnig überzeugt. Man müsse nur gemeinsam die jeweils passende Nische finden, Arbeitswille sei da.

Kathrin Zabernig (Mobile Begleitung) und Sonja Mietschnig (Sprungbrett Glöcklturm) leiten die Einrichtung der Diakonie de La Tour (v. l.).
© Christoph Blassnig

„Wir schließen mit jedem Partnerbetrieb einen Kooperationsvertrag“, erläutert Kathrin Zabernig, die vor sieben Jahren das Sprungbrett der Diakonie im ehemaligen Gasthof Glöcklturm mit eröffnet hat. Die derzeit 14 Klienten besuchen von Montag bis Donnerstag von 8 bis 15 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr die Einrichtung in Lienz. In Workshops bereiten sie sich dort ihren Fähigkeiten gemäß auf ein Berufsleben vor. Erhalten die jungen Menschen mit Behinderung die Chance auf einen Arbeitsplatz in einem Unternehmen, begleiten ihre Sprungbrett-Assistenten sie so lange bei ihrer Tätigkeit, bis die vorgesehenen Abläufe selbstständig erledigt werden können. Dann erst ziehen sich die Assistenten schrittweise zurück. Von nun an könnten die Unternehmen aus dem Kooperationsvertrag aussteigen und dem neuen Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag anbieten. „Das ist uns in den vergangenen sieben Jahren immerhin einmal gelungen“, lassen sich Mietschnig und Zabernig nicht beirren. „Es ist also möglich.“

Die persönliche Betreuung der Klienten an ihrem Arbeitsplatz war beim Start in Lienz ein Tiroler Pilotprojekt. Außerdem bietet die Diakonie de La Tour für Menschen mit Behinderung mobile Begleitung im Alltag an.

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