Konzert im Haus der Musik: Beethoven-Feier par excellence

Michael Schöch wurde als meisterhafter Beethoven-Interpret auf dem Hammerflügel im Haus der Musik gefeiert.
© Hauser

Innsbruck – Zugegeben, das Werk Ludwig van Beethovens lässt sich nur bedingt mit Barockmusik in Verbindung bringen. Dass seine 5. Sinfonie in c-Moll op. 67, sein Klavierkonzert Nr. 5 in Es-Dur op. 73 und die (zu Recht) selten zu hörende Ouvertüre „Die Ruinen von Athen“ bei den Tiroler Barockinstrumentalisten unter Wolfgang Kostner in den allerbesten Händen waren, zeigte das Konzert Sonntagabend im Haus der Musik. Die Barockinstrumentalisten feiern heuer ihr 20-jähriges Bestehen, und was lag näher, als es mit Werken von Jahresregent Ludwig van Beethoven zu begehen. Mit dem Tiroler Michael Schöch als Solisten konnte man einen Pianisten verpflichten, der sich, das darf man mit Fug und Recht behaupten, in die Elite der Pianisten weltweit gespielt hat.

Die 5. Sinfonie, die einen mit ihrer Dynamik schon bei der bedrohlich klingenden Einleitung gefangen nimmt und bis zum triumphierenden Schluss mit sich reißt, das 5. Klavierkonzert, Pracht, impulsive Kraft, überwältigende Virilität vom ersten Takt an – eine Beethoven-Feier par excellence. Die Ouvertüre „Die Ruinen von Athen“ wiederum ein Beispiel dafür, dass sich ein Genie nicht zu schade war, auf Bestellung heroisch aufgebauschte Gebrauchsmusik abzuliefern.

Die hartnäckig als schwergewichtige „Schicksalssinfonie“ missverstandene Fünfte inszeniert Kostner leichtfüßig, reaktionsfreudig, mit akkuratesten Sforzati und punktgenauen Fortissimo-Ausbrüchen. Das Orchester, alles andere als ein schwerfälliger sinfonischer Großapparat, mit der an der Musikuni Wien dozierenden Konzertmeisterin Ulli Engel, agierte schlank, agil, schlagkräftig, alle Qualitäten eines Kammerorchesters ausspielend. Kostners Sicht auf dieses ganz der (Motiv-)Reduktion und dramatischen Stringenz gewidmete Werk beeindruckte zutiefst.

Ebenfalls keine Wünsche offen ließ die Disziplin des Klangkörpers im 5. Klavierkonzert. Lyrischer und zartfühlender dürfte man dieses Werk nur selten gehört haben. Schöch nimmt sich Zeit, Melodiebögen nachzufühlen, sich Skalen durch die Finger gleiten zu lassen. Zu vordergründig pathetischem Auftrumpfen lässt er sich nicht hinreißen. Introvertiert, mit leichtem, fein gewichtendem Anschlag, sublimiert er den Gedanken von Bewegung.

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All die Poesie, den lyrisch erzählerischen Tonfall einem Hammerflügel zu entlocken, ist eine Kunst für sich. Schöch vermag es, dem um 1838 gebauten Hammerflügel von Conrad Graf feinste Nuancen zu entlocken, ohne das Instrument überzustrapazieren. Schöchs Ansatz ist stimmig mit dem Orchester als dramatischem Gegenpol, das den Solisten etwas mehr herausfordern hätte können, ihn aber doch nicht mit getragenen Phrasen in Watte verpackte. Beethovens Wut über den verlorenen Groschen verwandelte Schöch als Zugabe in die hellste Freude des begeisterten Publikums. (hau)


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