Ilse Abka-Prandstetter: Mit dem Pinsel auf großer Wanderschaft

Ilse Abka-Prandstetter: „Verlassenes Gewand“, Acryl auf gecrashter Leinwand, 2018/19.
© eichberger

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Ihre unbändige Neugier sei die Triebfeder, sich im Experimentieren mit Materialien, Techniken und Formen ständig neu zu erfinden, sagt Ilse Abka-Prandstetter. Dass die Arbeiten, die die inzwischen 80-Jährige in ihrer aktuellen Ausstellung zeigt, komplett anders daherkommen, als alles, was man von ihr kennt, verwundert da nicht, wenn auch das Neue ohne das Davor kaum vorstellbar ist.

Als radikale Konsequenz der Tatsache, dass der Weiler-Schülerin der Keilrahmen „schon lange auf die Nerven geht“, hat sie diesen nun einfach über Bord geworfen. Um sich auf diese Weise vom rechten Winkel genauso wie von der Fläche zu befreien. Sich frei zu machen für ein sich zwischen dem Zwei- und Dreidimensionalen entwickelndes Spiel von Linien und Flächen, Schwarz und Weiß. Farben spielen dabei nur eine Nebenrolle, was für sie eine ganz neue Erfahrung ist, war bisher doch gerade die Farbe das zentrale Element ihrer Kunst.

An abgelegte Gewänder, hingeworfene Hüllen, Relikte realer wie mentaler Häutungen erinnern die Arbeiten vage, die Ilse Abka-Prandstetter locker an die Wände des artdepot genagelt hat. Ihre Körper sind weiß grundierte Leinwände, die die Künstlerin „in einer sich selbst entwickelnden Dynamik“ knetet, wodurch ein dynamisch durchpulstes reliefartiges Etwas entsteht, das einen Tag trocknen muss, bevor es zum Malgrund taugt.

Zum Ausgangspunkt für die Pinselwanderschaften der Künstlerin wird, die über Berge und Täler, durch Ebenen und Abgründe führen. Wohin auch immer. Wobei Assoziationen mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik durchaus nicht zufällig sind. Der in schwarze Farbe getauchte Pinsel markiert diese Wege, wobei die Spuren, die er hinterlässt, zarte Tupfen genauso wie feine Linien oder breite Bahnen sind, die sich auch zu Flächigem, das Landschaftliche praktisch Auslöschendem, auswachsen können.

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Eine der Arbeiten erinnert in ihrer Expressivität fast an einen Holzschnitt, eine andere kommt in ihrer Poesie dagegen vage assoziativ daher. In Erinnerung an die Geschwister Scholl hat die Künstlerin eine „Weiße Rose“ auf einen Sockel gelegt, neben eine schwarze, in die allerdings eine kleine weiße eingewickelt ist.


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