Den Knappen auf der Spur: Tour zum Wetterkreuz in den Ötztaler Alpen

Der Tourentipp führt diese Woche auf’s 2578 Meter hohe Wetterkreuz in den Ötztaler Alpen. Der Aufstieg erfolgt durch das Wörgetal am Weg vom Kühtai in Richtung Oetz.

Geschafft: Das Gipfelkreuz mit drei Querbalken.
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Silz – Zuerst starker Schneefall, dann Regen bis fast 2500 Meter Seehöhe hinauf und Tagestemperaturen jenseits der 10-Grad-Marke. Die Zeichen für eine halbwegs sinnvolle, vor allem aber auch sichere Skitour im Gelände waren diese Woche nicht gerade die besten. Wir wurden am Weg vom Kühtai in Richtung Oet­z fündig. Und zwar mit dem Wetterkreuz im Wörgetal.

So kommt man hin: Wer am Weg vom Kühtai in Richtung Oetz unterwegs ist, fährt kurz vor Ochsengarten bei der Issalm vorbei. Und genau dort startet unsere Tour. Wir haben bewusst das Wetterkreuz ausgewählt, denn auch bei heikler Lawinensituation (und die herrschte bei Begehung der Tour) ist der Besuch dieses Gipfels bei vernünftiger Spurwahl eine gut machbare Alternative für eine Geländetour.

Von der Issalm folgen wir zunächst einer Waldpassage und in einigen Spitzkehren der Spur nach oben. In Richtung Süden, bis hinauf zur Oberen Issalm auf knapp 1930 Metern. Übrigens: Das Wörgetal hat auch geschichtlich einiges zu erzählen, denn einst hatte der Bergbau dort einen hohen Stellenwert. Aus der Zeit Kaiser Maximilians stammt der erste schriftliche Beleg über den Bergbau im Wörgetal. Seine Blütezeit dürfte der Bergbau in den Kühtaier Bergen im 17. Jahrhundert erlebt haben.

In dieser Hütte ist das Museum beherbergt.
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Bis zu 450 Knappen fanden im Wörgetal ihre Beschäftigung. Am Puchersee (im Bereich der Oberen Issalm), wo man die Wasserkraft nutzen konnte, stand die Pochermühle zum Zerkleinern des Erzes, welches 500 Höhenmeter weiter oben in mühevoller Kleinarbeit in den Stollen abgebaut und in Oetz weiterverarbeitet wurde.

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Ein kleines, aber liebevoll gestaltetes Museum und die restaurierte Pochermühle erinnern bis heute daran. Beide Bauwerke liegen direkt am Weg zum Wetterkreuz und sollten definitiv besucht werden. Nun aber wieder zurück zur Tour: Wir gehen nach der Oberen Issalm weiter in südliche Richtung. Vorbei an den steil abfallenden Westhängen des Schafzolls führt uns die Spur kupiert weiter. Vorsicht ist bei den Hängen des Schafzolls immer geboten.

Das Wörgetal besticht durch weite Hänge.
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Wer sich aber an die Spuren und Regeln hält, ist definitiv auf der sicheren Seite. Und die Tour auf das Wetterkreuz ist so gut wie immer angelegt.Etwas steiler, aber keineswegs steil, bringt uns der weitere Anstieg über herrliches Skigelände weiter in Richtung Ziel.

Unsere Aufstiegsrichtung dreht von Süd nach West. Erst der finale Anstieg auf die Scharte hinauf wird nun etwas heftiger. Geschafft! Bis dato war das Kreuz des Wetterkreuzes noch nicht zu sehen, aber jetzt kommt es zum Vorschein. Unschwierig erreichen wir von der Scharte aus das hölzerne Kreuz. Ein Gipfelkreuz mit drei Querbalken, wie es für ein Wetterkreuz eben charakteristisch ist.

Obwohl das Wetter und die Schneebedingungen heute nicht das gelbe vom Ei sind, die einzigen Tourengeher sind wir nicht. Ganz im Gegenteil: An die 30 Tourengeher haben sich ob der heikleren Lawinenverhältnisse heute für diese Tour entschieden.

Übrigens: In vielen Foren und Plattformen wird das Wetterkreuz mit dem Wetterkreuzkogel gleichgestellt. Der Wetterkreuzkogel (2587 m) ist zwar der höchste Punkt und um neun Höhenmeter höher als das Wetterkreuz, das eigentliche Kreuz steht aber am Wetterkreuz auf 2578 Metern. Leider meint es das Wetter diesmal nicht besonders gut. Vor allem der böige Westwind wirkt heute als kleiner Spielverderber. Und einige Nebelfetzen und Wolken verhindern den an und für sich traumhaften 360-Grad-Rundumblick. In Richtung Acherkogel z. B. oder bis weit in die Ötztaler Alpen hinein.

Die Gipfeljause lassen wir heute aus und es geht entlang der Aufstiegsspur wieder zurück. Und so ehrlich muss man sein: Die Abfahrtsverhältnisse waren zur Wochenmitte alles andere als berauschend. Vom Gipfel weg war der Schnee teilweise windgepresst und mit zunehmender Abfahrt wurde er pappiger und schwerer. Für schlechtere Skifahrer definitiv kein Vergnügen mehr.

An und für sich nämlich überzeugt die Tour auf das Wetterkreuz vor allem mit lässigen Pulver- und Firnschwüngen, vom Frühwinter bis ins Frühjahr hinein. Mit müden und schweren Beinen zurück im Tal, durfte freilich der Einkehrschwung nicht fehlen. Dieses Mal kehrten wir im Berggasthaus Marlstein in Oetz bei Familie Neurauter ein. Vom Parkplatz und dem Ausgangspunkt der Tour einen Katzensprung (fünf Minuten mit dem Auto) entfernt.

Fazit: Die Tour auf das Wetterkreuz ist mit 850 Höhenmetern kein Konditionskiller und auch für Anfänger, die ins freie Gelände wollen, bestens geeignet. Vor allem aber überzeugt sie landschaftlich in der wunderschönen Kulisse des Wörgetals und mit einem atemberaubenden Rundumblic, der sich allen bietet, die es bis hinauf auf den Gipfel schaffen. (flex)


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