32. Osterfestival Tirol: Corona-Krise wird zur Existenzfrage

Das 32. Osterfestival Tirol muss das Programm stark kürzen. Statt am 27. März soll der Start am 3. April erfolgen – bei aller Ungewissheit.

Im Kulturbetrieb herrscht Ruhe. Am 3. April sollen die Instrumente bei Konzerten wieder erklingen.
© Osterfestival

Hall, Innsbruck – Als Kulturveranstalter und als Künstler benötigt man dieser Tage starke Nerven. Die Bekämpfung des Coronavirus ist oberstes Gebot der Stunde. Indoor-Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen sind als Maßnahme gegen die weitere Ausbreitung des Virus untersagt. Der Kulturkalender wird dadurch regelrecht entleert: täglich neue Absagen, Programmänderungen und (zumindest versuchte) Verschiebungen.

Jetzt hat es auch das Osterfestival Tirol erwischt, das heuer seine 32. Auflage erleben soll. Das Rahmenprogramm wie die Konzertreihe „40 Orte“ war schon am Mittwoch auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Gestern erfolgte, nicht mehr ganz unerwartet, der Paukenschlag: Das Osterfestival kann erst eine Woche später starten, statt am 27. März am 3. April. Bachs Matthäuspassion im Congress, geleitet von Philippe Herreweghe, soll den verspäteten Auftakt bilden.

Die gesamte Entwicklung geht für uns mittlerweile schon ans Eingemachte.
Hannah Crepaz (Leiterin des Osterfestivals Tirol)

Allerdings steht auch hinter dem 3. April ein Fragezeichen. Es ist möglich, dass die Bundesregierung die strengen Beschränkungen für jedwede Veranstaltung über diesen Termin hinaus verlängern muss. In Deutschland gelten vergleichbare Maßnahmen bis nach Ostern (18./19. April). Tritt dieser Fall auch in Österreich ein, würde das Osterfestival 2020 komplett ins Wasser fallen.

Festivalleiterin Hannah Crepaz mag sich dieses Horrorszenario gar nicht ausmalen. Ausschließen kann sie es aber nicht. Sie hofft, dass es beim 3. April bleibt. Der Entfall etlicher Konzerte im März, darunter prominente Namen wie Pianist Markus Hinterhäuser oder Sopranistin Sarah Sun, ist schmerzlich genug. Natürlich auch finanziell. Tickets werden zurückgenommen, das Geld refundiert. „Es geht mittlerweile schon ans Eingemachte“, sagt Crepaz. „Es könnte sein, dass die ganze Entwicklung für uns zur Existenzfrage wird.“

Hannah Crepaz
© thomas boehm

Eine Versicherung gegen solche Fälle von „höherer Gewalt“ gibt es nicht. Massiv betroffen sind davon auch die Künstler. Mit den Auftritten entfällt für diese zumeist auch das Honorar.

Crepaz wird versuchen, entfallene Konzerte später im Jahr nachzuholen, um wieder Boden gutzumachen. Doch dies wird schon rein terminlich zur Herausforderung.

Es stellt sich auch die Haftungsfrage. Das Anti-Corona-Paket wurde vom Bund auf Basis des Epidemiegesetzes erlassen, dessen Grundzüge aus dem Jahr 1950 stammen. Das Gesetz sieht unter Paragraf 32 eine „Vergütung für den Verdienstentgang“ vor. Ob und inwieweit diese Bestimmungen auf die Folgen der Corona-Krise anwendbar sind, wird sich weisen.

Auch das Land Tirol hat angekündigt, mit einem Konjunkturpaket betroffenen Unternehmern unter die Arme zu greifen. Das alles ist aber Zukunftsmusik. In der Gegenwart wird versucht zu retten, was zu retten ist. (mark)

Steudltenn startet erst im Mai

Uderns – Auch beim Steudltenn Theaterfestival in Uderns im Zillertal hinterlässt die Corona-Krise tiefe Spuren im geplanten Programmablauf: Alle im April angesetzten Veranstaltungen werden auf den September verschoben.

Betroffen davon ist u. a. das von Schülern gespielt­e Theaterstück „In 80 Tagen um die Welt“ nach Jules Verne. Die Proben dafür hätten in den Osterferien stattfinden sollen. Auch die Lesung Felix Mitterers aus seinem ersten Roman „Keiner von euch“ wird im September nachgeholt.

Das Festival 2020 beginnt nach Auskunft von Steudltenn-Leiterin Bernadette Abendstein somit erst am 8. Mai mit dem Musik­theaterstück „Graceland – Ein Traum von Elvis“, einer öster­reichischen Erstaufführung. Infos: www.steudltenn.com (mark)

Bernadette Abendstein muss das Programm umplanen.
© Thomas Murauer

Kommentieren


Schlagworte