Fixe Fahrgastvertretung ist in Tirol kein Thema

Öffi-Aktivist aus Rum schlägt einen Fahrgastbeirat für Tirol, übertragbare Jahreskarten und Bus-„Eilkurse“ vor. Land und VVT sehen das skeptisch.

Die VVT-Jahreskarte auf andere Personen „übertragbar“ zu machen, ist in Tirol aktuell nicht geplant.
© Domanig

Innsbruck, Rum – Angesichts von Corona und der De-facto-Ausgangssperre in Tirol hat man derzeit natürlich auch beim Verkehrsverbund Tirol (VVT) ganz andere Sorgen, als sich mit Anregungen für die Zukunft der Tiroler Öffis zu beschäftigen.

Doch schon vor der aktuellen Krise hat sich der Öffi-Aktivist Hermann Oberhofer aus Rum – seit ca. 60 Jahren hauptsächlich mit Bus und Zug unterwegs – mit konkreten Vorschlägen zu Wort gemeldet, die auch andere Öffi-Nutzer teilen dürften:

Die Einführung des VVT-Jahrestickets lobt Oberhofer als „Meilenstein“. Doch in anderen Aspekten sieht er viel Verbesserungsbedarf: So bräuchte es aus seiner Sicht „endlich“ eine fixe Fahrgastvertretung für Tirols Öffi-Nutzer – mit Sitz in Innsbruck und Sprechtagen in allen Bezirken. „Die bestehenden Öffi-Treffs sind zu wenig.“ Als Vorbild nennt Oberhofer den Fahrgastbeirat in München.

Auch mehr Angebote für Gelegenheitsfahrer seien nötig: Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) bieten Mehrfahrtentickets an, Vergleichbares brauche es flächendeckend für ganz Tirol. Denn: „Für viele Nutzer zahlt sich ein VVT-Jahresticket schlicht nicht aus.“ In Salzburg, so Oberhofer weiter, sei es seit Jahresanfang möglich, Jahreskarten für einen Aufpreis von 100 Euro übertragbar zu machen, also jeder anderen Person zu borgen. Auch das sei für Tirol anzustreben, findet er.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Zudem plädiert Oberhofer seit Jahren dafür, bei bestimmten Busverbindungen in Tirol „Eilkurse“ einzuführen – etwa bei den „Dörferlinien“ 501 bis 504: So gebe es etwa zwischen Absam und Innsbruck aktuell ca. 30 Haltestellen, die Fahrtdauer sei mit über 30 Minuten für viele Nutzer schlicht „unattraktiv“.

VVT und Land Tirol beurteilen die Anregungen in einer gemeinsamen Stellungnahme eher skeptisch: Obwohl auch im Tiroler Regierungsprogramm das Ziel steht, Fahrgastbeiräte zu forcieren, ist z. B. eine fixe Fahrgastvertretung nicht geplant. Stattdessen verweist man auf die Neukonzeption der „Öffi-Treffs“: Man habe darauf geachtet, diese Form der Bürgerbeteiligung „genau dort anzubieten, wo auch eine Neuausschreibung des regionalen Verkehrssystems ansteht“. So könnten die Öffi-Nutzer bei der Neuplanung direkt mitreden. Dies sei ein viel effizienterer Weg als eine zwischengeschaltete Beiratsebene. Zudem gebe es das VVT-Kundencenter, das allein 2019 über 128.000 Anfragen beantwortet habe, und für Beschwerdefälle die Agentur für Passagierrechte.

Für Gelegenheitsfahrer, so VVT und Land weiter, biete man seit der zweiten Stufe der Tarifreform (April 2019) die „VVT Flexi-Rate“ an, ein „10-plus-3-gratis-Zonenguthaben“, ähnlich einer Punktekarte. Diese Flexi-Rate könne man online im VVT-Ticketshop, am PC oder über die Smartphone-App erwerben und sie dann auch direkt dort beim Kauf von Einzeltickets einlösen.

Zur Frage der Übertragbarkeit erklärt der Verkehrsverbund, dass VVT-Wochen- und Monatstickets übertragbar seien, „wenn sie im ,bedienten Verkauf‘ (Kundencenter oder Buslenker) bzw. am Automaten erworben wurden. Karten, die online im VVT-Ticketshop erworben werden, seien hingegen nicht übertragbar, weil gewährleistet sein müsse, dass online gekaufte Tickets nicht durch digitales Versenden oder Ausdrucken zu Hause beliebig vervielfacht werden. „Daher werden sie mit Namen ausgestellt und gelten in ausgedruckter Form (PDF) oder mobil am Handy in Verbindung mit einem Lichtbildausweis.“

Pläne, das VVT-Jahresticket übertragbar zu machen, gibt es nicht. Immerhin sei dieses rund 200 Euro günstiger als die übertragbare Jahreskarte in Salzburg – „eine Übertragung auf dritte Personen ist in dieser Kalkulation nicht darstellbar“. Zu beachten seien auch die Nachteile eines übertragbaren Tickets – etwa, dass es im Falle eines Verlustes nicht erstattet werden kann.

Mit den Regiobus-Linien 4123 und 4125, die teils über die Autobahn fahren, gebe es schon eine Art Eilkurse. Zudem seien die Busverbindungen zum Haller Bahnhof stark verbessert worden. (md)


Kommentieren


Schlagworte