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Platter: „Wir haben alle Schritte so früh gesetzt, wie wir konnten“

Tirols Landeshauptmann Platter (ÖVP) verabschiedet sich wegen Corona ebenfalls vom Nulldefizit und kündigt ein Hilfspaket und eine Tourismusoffensive an.

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Platter bereitet sich auf das Schlimmste vor, hofft aber, dass die Maßnahmen greifen.
© ÖVP/Julian Angerer

Herr Landeshauptmann, befürchten Sie, dass in den nächsten Tagen sogar ganz Tirol unter Quarantäne gestellt werden könnte?

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Günther Platter: Das Wesentliche in solchen Krisensituationen ist, dass man sich auf das Schlimmste vorbereitet. In diese Richtung habe ich meine Anordnungen getroffen, in allen Bezirkshauptmannschaften wurden Krisenstäbe eingerichtet, die im ständigen Austausch mit den Bürgermeistern sind. Es liegt ein Plan für Notquartiere, Not­ambulanzen, genügend medizinisches Personal und Geräte vor. Und alle Krisengebiete müssen isoliert werden.

Sie gehen davon aus, dass Tirol das alles schon „derpacken wird“. Was macht Sie da so sicher?

Platter: Die Tiroler haben eine Grundhaltung und eine Mentalität, dass wir gerade in schwierigen Zeiten einen großen Zusammenhalt zeigen und gemeinsam die Krise meistern werden. All unsere Maßnahmen haben nämlich ein Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus muss verhindert werden.

Hat das Land vielleicht zu spät in Ischgl reagiert, hätten die Maßnahmen wie die Schließung der Après-Ski-Bars und der Skigebiete nicht früher erfolgen sollen?

Platter: Nein. Wir in Tirol waren jene, die als Erste weit reichende Maßnahmen gesetzt haben. Sobald bekannt war, dass von der Ischgler Après-Ski-Bar eine Infektion ausgegangen ist, haben wir sie geschlossen. Und am nächsten Tag alle Lokale. Wir waren die Ersten, die den Universitätsbetrieb eingestellt und die Wintersaison beendet haben. Wir sind vorangegangen und haben selbst die Maßstäbe gesetzt. Ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Und das zu einem Zeitpunkt, wo es viele in der Bevölkerung noch gar nicht verstanden haben. Und die betroffenen Gebiete erst recht nicht.

Also keine Fehler in der Vorgangsweise?

Platter: Natürlich ist man bei so einer Virusverbreitung immer später dran, weil die Infektion bereits da ist, bevor man sie überhaupt feststellen kann. Wir haben alle Schritte so früh gesetzt, wie wir konnten. Wichtig war vor allem, dass keine neuen Gäste nach Tirol kommen. Das wäre katastrophal und unverantwortlich gewesen, obwohl das manche überhaupt nicht eingesehen haben. Die Reißleine zu ziehen, war richtig. Seit 1945 wurden noch nie solch drastische Maßnahmen angeordnet wie jetzt.

Wie schwierig waren für Sie persönlich die Entscheidungen, schließlich ist der Tourismus ja ein zentrales wirtschaftliches Standbein in Tirol?

Platter: Bei Schönwetter Politiker zu sein, ist leicht. Wenn allerdings einmal ein Sturm aufzieht, hat man Verantwortung zu übernehmen. Da kann man nicht auf alle Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, da muss man Festlegungen treffen. Letztlich habe ich entschieden und in der Entscheidung ist man immer allein.

Befürchten Sie einen Imageschaden, weil wir jetzt als Krisenregion eingestuft werden und Tirol der Hotspot der Corona-Erkrankungen in Österreich ist?

Platter: Je effizienter wir die Maßnahmen setzen und die Signale senden, dass wir weiterhin die gesündeste Region der Alpen sein wollen, desto rascher wird es nach der Viruskrise wieder nach oben gehen. Mir geht es derzeit aber nicht nur um den Tourismus, sondern vielmehr um die Tiroler Bevölkerung. Nicht das Geld oder wirtschaftliche Erfolge stehen aktuell im Vordergrund, sondern die Gesundheit der Menschen. Das hat oberste Priorität. Danach ist es jedoch notwendig, dass wir mit deutlicher finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand alles unternehmen, damit die Wirtschaft wieder in die Gänge kommt.

Es wird also ein Konjunkturpaket geben?

Platter: Ja, deshalb muss ich mich in Tirol leider ebenfalls vom Nulldefizit verabschieden. Wir werden bereits nächste Woche ein umfassendes Paket schnüren. Es hat sich ausgezahlt, dass wir in den vergangenen Jahren sparsam gewirtschaftet haben, denn es wird uns finanziell keine Probleme bereiten. Ich will, dass die Beschäftigten in den Unternehmen bleiben. Das kostet natürlich Geld.

Wird auch im Tourismus eine Offensive gestartet?

Platter: Wir bereiten uns schon jetzt auf die Zeit nach Corona vor. Es werden die Werbemaßnahmen und -mittel deutlich erhöht. Wir planen eine Informationskampagne im In- und Ausland für Urlaub in Tirol. Wir wollen auf allen Ebenen und allen Kanälen Überzeugungsarbeit leisten.

Sie sind seit Tagen pausenlos im Krisenmodus. Wie geht es Ihnen dabei?

Platter: Es ist natürlich herausfordernd, deshalb habe ich mich entschlossen, in den nächsten zwei Wochen hier im Büro in Innsbruck zu bleiben. Die Strukturen sind vorhanden. Als Landeshauptmann trage ich die Verantwortung für den Krisenstab, deshalb will ich 24 Stunden vor Ort sein.

Das Interview führte Peter Nindler


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