Ärzte fahren ein Schutzprogramm: „Niemand geht spontan zum Arzt“

Sogar Notfälle sollen sich in den Ordinationen anmelden, rät Ärztekammerpräsident Wechselberger. In der Klinik wurden Betten freigespielt.

Die Ärzte fahren ein Schutzprogramm, notfalls sind sie aber rund um die Uhr für die Patienten erreichbar. (Symbolfoto)
© Keystone

Von Anita Heubacher

Innsbruck –„Als Erstes sollten sich Patienten fragen, ob ein Arztbesuch überhaupt notwendig ist“, erklärt der Präsident der Ärztekammer, Artur Wechselberger. Jeder verschiebbare Termin hilft den Ärzten. Es geht darum, Ressourcen zu schonen. Sowohl bei den Arztordinationen als auch in den Krankenhäusern.

Dort sind durch das Umorganisieren und Verschieben von Operationen bereits mehr Kapazitäten frei geworden. Mit Stand gestern 13 Uhr waren auf der Innsbrucker Klinik noch 624 normale und 41 Intensivbetten frei. Dadurch, dass Betten freigespielt wurden, werde sowohl Material als auch Personal gespart. „So haben wir eine Backup-Mannschaft, falls medizinisches Personal erkrankt“, erklärt der Sprecher der Tirol Kliniken, Johannes Schwamberger. Was in Salzburg an der Klinik passiert sei, gelte es auf jeden Fall zu vermeiden.

Schwamberger lobt die Disziplin der Patienten, der Besucher und des Personals, ruft aber noch einmal dazu auf, Besuche, die in Ausnahmefällen erlaubt sind, zu reduzieren. „Jeder Mosaikstein, der hilft, das Virus aus den Spitälern so lange wie möglich draußen zu halten, hilft.“

So wenig Kontakt wie möglich gilt auch in den Ordinationen. „Niemand geht spontan zum Arzt“, sagt Ärztekammerpräsident Wechselberger. Die Ordinationen könnten nicht Patienten von den Spitälern auffangen. „Es ist ja nicht so, als hätten wir sonst nichts zu tun.“ Die Praxen seien bereits gut ausgelastet.

Ärzte fahren ein Schutzprogramm, für die Patienten, die Mitarbeiter und sich selbst. „Wir dünnen die Patienten im Warteraum aus, wir lüften, wir desinfizieren und teilen einen Mundschutz aus, wenn jemand ­grippeähnliche Symp­tome hat“, erzählt An­drea Ehm, Fachärztin für Gynäkologie und Hausärztin. Vorsorgeuntersuchungen seien bereits verschoben worden. Auch Ehm betont, wie wichtig es sei, dass Patienten vorher anrufen. „Wenn es hart auf hart kommt, werden wir rund um die Uhr ­arbeiten.“

Um die Kontakte zu reduzieren, haben die Ärztekammer und die Sozialversicherung vieles auf Telefon oder Online umgestellt. Die Chefarztbewilligung entfällt, Rezepte gibt es elektronisch, Krankmeldungen können telefonisch erledigt werden und die telefonmedizinische Betreuung wird ausgebaut.

Geprüft wird derzeit, ob in Tirol ein größeres Krankenquartier zur Entlastung der Krankenhäuser eingerichtet wird. Dort könnten leichtere Fälle behandelt werden. In Wien entsteht in der Messehalle ein Großlazarett mit bis zu 880 Betten. Um die Leitstelle 1450 zu entlasten, sollen Patienten zuvor einen Online-Fragebogen ausfüllen. Die Ärztekammer hat eine Handlungsanleitung an alle Ärzte verschickt. Apotheken bleiben geöffnet.

Das Land hat überdies einen psychosozialen Dienst für die aktuellen Sorgen und Nöte der Menschen eingerichtet.


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