In Zeiten von Corona-Krise: Wenn die Kunst zum Publikum kommt

Streaming, Podcast, virutelle Touren: Das Netz zeigt aktuell, die Kulturszene hat keineswegs dicht gemacht. Die TT blickt auf neue, digitale Formen von Kulturvermittlung. Heute: Was machen Museen in Zeiten von Corona?

Digitale Angebote statt klassische Führung? Das Städel Museum setzt längst auf digitale Vermittlung.
© imago

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – „Wir vermeiden jegliche Art der Ansteckung. Nicht aber jene über Schönheit“, ließ Uffizien-Chef Eike Schmidt bereits vor einer Woche online verlautbaren. In Zeiten von Corona und damit in Zeiten von geschlossenen Kunstinstitutionen halten Museen, wie die Uffizien dennoch die Stimmung hoch: Wenn das Publikum nicht zur Kunst kommen kann, dann bringen wir die Kunst zum Publikum lautet hier die Devise. Sind die Türen geschlossen, erinnern sich Häuser auf das Publikum, das sich in den letzten Jahren auf den Sozialen Kanälen gesammelt hat. Jetzt werden sie gefüttert sie mit virtuellen Touren oder werden zum Mitmachen aufgefordert.

Die Uffzien zählen aktuell 31.000 Follower, nur auf Facebook. Seit 10 März läuft die Kampagne #uffizidecameron, benannt nach dem „Decamerone“ (1348-53) von Giovanni Bocaccio, die schon vom Namen her passt, schotten sich in der berühmten Novellensammlung doch zehn Protagonisten von der Pest ab. Alles andere als abgeschottet sollen hingegen die Uffizien im neu angebotenenen Extra-Content via Social Media wirken: Mit Schmidt geht es durch „Lieblingsräume“ von Museumsangestellten oder hinter die Kulissen des Betriebs.

Unter Hashtags wie #digitalmuseum oder #DigSmus versammeln sich aktuell etliche ähnliche Initiativen: Im Wiener Belvedere etwa kann das digitale Publikum derzeit regelmäßig um 15 Uhr per Live-Stream an einer Mini-Führung zu einem Werk im Belvedere teilnehmen. Das gestrige Video wurde innerhalb 30 Minuten über 1200 Mal aufgerufen. Eine klassische Führung erreicht im Gegensatz dazu vielleicht 30 Interessierte.

Dass Digitalisierung - abseits von der digitalen Aufbereitung eigener Sammlungsbestände - in aller Museen Munde ist, zeigt auch das immer größer werdende Interesse an neuen Formaten der Vermittlung. Ein Paradebeispiel im deutschen Sprachraum liefert auf diesem Gebiet das Städelmuseum in Frankfurt. Für die im Februar zu Ende gegangene Ausstellung „Making Van Gogh“ produzierte das Haus etwa einen eigenen Podcast. Das richtige Medium zur richtigen Zeit: „Finding Van Gogh“ wurde soeben für den Deutschen Podcastpreis nominiert.

Für große Häuser gehört es zum guten Ton Dienste wie Google Arts and Culture zu nutzen, der virtuelle Touren durch Museen anbietet. Apps wie Digitorial oder Smartify, die über digitale Wege auf den Besuch in einem Museum vorbereiten bzw. ihn begleiten sind ebenso auf dem Vormarsch.

Auch kleinere Häuser sehen in der aktuellen Situation ihre Chance im digitalen Raum. Das Bozner Museion zum Beispiel hat #telemuseion ausgerufen, über Videos will man derzeit mit seinem (fehlenden) Publikum kommunizieren. Hier setzt man indes auf Partizipation: Die kreative Schreibwerkstatt, die das Haus normalerweise für das junge Publikum anbietet, gibt’s jetzt online für alle: Textbeiträge des Publikums werden auf Social Media veröffentlicht.

Bei aller Fülle an Angeboten pochen Museen natürlich darauf, dass digitale Angebote den physischen Besuch oder Veranstaltungen nie komplett ersetzen werden. Wie sich unser Blick auf Kunst über vermehrte Online-Konsumation verändert, dieser Frage wird man sich in Zukunft auch noch stellen müssen.


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