Corona-Fälle vertuscht? Ischgl holt Tiroler Krisenmanagement ein

International werden massive Vorwürfe erhoben, dass Corona-Fälle vertuscht worden seien. Das Land weist das zurück.

Der Skiort Ischgl.
© Thomas Böhm

Innsbruck, Ischgl – Die Neue Züricher Zeitung nimmt das Land Tirol massiv in die Pflicht: „Tirol ist zu einem der gefährlichsten Infektionsherde geworden. Verantwortlich dafür sind die Sorglosigkeit der Party-Touristen und die zögerliche Haltung der Behörden – die Folgen werden erst langsam absehbar.“ Zwischenzeitlich melden sich nämlich immer mehr Skigäste aus dem Paznaun, die ebenfalls schwere Vorwürfe erheben. Schon bevor besagter Barkeeper am 7. März positiv getestet worden sei, habe es mutmaßliche Corona-Erkrankungen in Ischgl gegeben, heißt es. Allerdings seien die Verdachtsfälle, vornehmlich Mitarbeiter im Tourismus, einfach nach Hause geschickt worden.

Das Land wehrt sich erneut gegen diese Abschuldigungen. „Es wurden jeweils sofort nach Vorliegen gesicherter Daten restriktive Maßnahmen gesetzt“, stellte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg klar. Hinsichtlich der nur ungenauen übermittelten Informationen, dass viele skandinavische Gäste am Coronavirus erkrankten, sei das Land aber umgehend nachgegangen.

Gäste nach Abreise aus Ischgl in Innsbrucker Hotels

Landeshauptmann Günther Platter ergänzte, dass die Gäste erst zu Hause bemerkt hätten, dass sie infiziert seien, und sie „haben sich deshalb auch erst später gemeldet“. Außerdem wisse man nach wie vor nicht, wie das Virus überhaupt erst nach Ischgl gekommen sei.

Dass Hunderte von Touristen nach ihrer Abreise aus St. Anton und Ischgl von Freitag auf Samstag in Innsbrucker Hotels übernachtet haben, sorgt nun ebenfalls für herbe Kritik. „Die Gäste haben ein Formular unterzeichnet, dass sie Tirol sofort verlassen“, verteidigte Platter die angegriffenen Behörden nachdrücklich. Man könne ja nicht überall Polizeiposten aufstellen, um zu überprüfen, ob die Selbstverantwortung der Menschen ausreiche. (pn, aheu)

📽 Video | Gesundheitslandesrat Tilg in der ZiB 2: "Behörden haben richtig reagiert"


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