US-Vorwahlen in Zeiten der Corona-Krise: Keine Zeit für eine Revolution

Überschattet von der Corona-Krise steht der US-Vorwahlkampf vor der Entscheidung. Indessen schränken auch die USA das öffentliche Leben ein.

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Begrüßung in Zeiten der Corona-Krise: Joe Biden (links) und Bernie Sanders vor ihrem TV-Duell.
© AFP

Washington – Der Vorwahlkampf der US-Demokraten könnte heute vorzeitig enden. Zum einen, weil der Favorit Joe Biden in den Umfragen für die Bundesstaaten Florida, Illinois, Ohio und Arizona haushoch führt. Wenn er auch an diesem Dienstag abräumt – wie schon in den vergangenen beiden Wochen –, dann bleibt seinem Rivalen Bernie Sanders kaum ein Argument, im Rennen zu bleiben. Und zum anderen, weil es nach den heutigen Abstimmungen womöglich so rasch keine mehr geben wird. Zwei Bundesstaaten, die noch im März gewählt hätten, haben ihre Vorwahlen wegen der Coronavirus-Pandemie bereits verschoben.

Wahlkampfveranstaltungen sind ohnehin abgesagt. Biden und Sanders trafen einander in der Nacht auf Montag zu einer TV-Debatte ohne Saal-Publikum und sie begrüßten einander durch eine Berührung am Ellbogen. Auch inhaltlich ging es vor allem um das neuartige Coronavirus. „Das ist wie ein Krieg“, sagte Biden. Er gab den Krisenmanager und sagte, er würde das Militär zu Hilfe rufen und ein „Multi-multi-Milliarden-Dollar-Programm“ auflegen, um das Virus einzubremsen und der Wirtschaft zu helfen.

Auch der linksgerichtete Sanders sprach von einem nationalen Notstand. „Wir sind ganz eindeutig nicht vorbereitet“, sagte er und warb für sein Wirtschafts- und Gesundheitsprogramm. Biden hingegen meinte, revolutionäre Ideen würden nicht weiterhelfen. Die Menschen wollten sofort Resultate.

Der Favorit geriet zwar unter Druck, als Sanders ihn auf umstrittene Entscheidungen in früheren Jahrzehnten ansprach. Aber er gab sich nach Ansicht der meisten US-Kommentatoren keine Blöße, die die Dynamik des Rennens entscheidend verändert hätte. Und er sorgte für die spannendste neue Entwicklung mit der Festlegung auf eine Frau als Vizekandidatin.

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Einig waren sich beide in der Kritik an der schleppenden Reaktion der Trump-Administration auf die Corona-Krise, die in den USA zu einer hohen Dunkelziffer an Infektionen beigetragen haben dürfte. Zwar hat inzwischen auch das Weiße Haus auf Krisenmodus umgeschaltet, und die Seuchenschutzbehörde empfiehlt, für acht Wochen Zusammenkünfte von mehr als 50 Menschen auszusetzen. Aber bei den Maßnahmen für den Alltag übernehmen derzeit die Bundesstaaten und Kommunen die Führung.

Die beiden größten Städte New York und Los Angeles schließen alle Gastronomie- und Unterhaltungsbetriebe. In Las Vegas schließen viele Hotels und Casinos. Mehrere Bundesstaaten haben bereits Schulen, Universitäten, Museen und andere öffentliche Einrichtungen zugesperrt. Die Zahl der Fälle stieg in den USA gestern nach offiziellen Zahlen auf mehr als 4000 Infizierte und mehr als 70 Tote. (floo)


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