Opel Corsa-e: Wenn der Blitz zum dritten Mal einschlägt

Nach dem Ampera und dem Ampera-e probiert es Opel wieder mit der Vermarktung eines Elektroautos: Mit dem Corsa-e sind aber erstmals hohe Stückzahlen gefordert, da sonst CO2-Strafzahlungen drohen.

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Ab 29.999 Euro bietet Opel den rein elektrisch fahrenden, 136 PS starken Corsa-e an. Von null auf 100 km/h sprintet der Stromer in 8,1 Sekunden, bei 150 km/h ist Schluss mit der Beschleunigung.
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Berlin, Innsbruck –Noch unter der Herrschaft von General Motors durfte Opel in den vergangenen Jahren zweimal mit alternativen Antrieben die Konkurrenz aufscheuchen und die Konsumenten zumindest beeindrucken. Den Ampera wollte Opel vor allem als „Elektroauto“ positionieren, wohl wissend, dass sich auch ein Benzinmotor an Bord befand, angepriesen als „Range Extender“ (Reichweitenverlängerer). Im Prinzip handelte es sich um einen Plug-in-Hybrid – aber genau so wollte Opel sein Angebot nicht verstanden wissen.

Ein Volumengeschäft war dem Ampera nicht beschieden – ebenso wenig seinem inoffiziellen Nachfolger, dem Ampera-e. Der war in der Tat ein reiner Stromer, aber Opel bedachte nach anfänglich großer Resonanz nur ausgewählte Märkte, zumeist auch nur mit Verzögerung, mit dem Fabrikat. Nicht unwesentlich war in diesem Zusammenhang zudem die Entscheidung von General Motors, Opel an die Groupe PSA zu verkaufen. Die Franzosen hatten bereits eigene Vorstellungen einer künftigen Elektrifizierung der Modellreihen. Der Ampera-e passt folglich nicht ins Konzept.

Der Corsa-e hingegen schon: Dessen Antriebstechnik und Plattform finden innerhalb des Konzerns auch bei anderen Marken Verwendung; insofern ist klar, dass die Groupe PSA sehr wohl auf Volumen zielt. Der Corsa-e ist 4,06 Meter lang und nutzt einen 136 PS starken Elektromotor, der vom Stand weg ein maximales Drehmoment von 260 Newtonmetern entwickelt. Mit dieser Kraft geht es sportlich voran: Keine drei Sekunden vergehen, bis der elektrische Kleinwagen von null auf 50 km/h beschleunigt hat; 8,1 Sekunden sind für den Sprint von null auf 100 km/h möglich. Um nicht zu viel Energie in Anspruch zu nehmen, regeln die Steuergeräte bei einem Tempo von 150 km/h elektronisch ab.

Den Strom bezieht der Elektromotor aus einem Lithium-Ionen-Speicher, der über einen Energiegehalt von 50 Kilowattstunden verfügt. Mit einem vollgeladenen Akku lässt sich eine WLTP-Reichweite von 337 Kilometern erzielen – wie realitätsnah diese Angabe ist, wird sich allerdings erst in einem Test zeigen, der den Corsa-e mit den topographischen Besonderheiten Tirols konfrontiert.

Konfrontieren kann Opel seinerseits die interessierte Kundschaft erstens mit einer ansprechenden Formensprache, zweitens mit einer attraktiven Ausstattung. Der Corsa-e mit der Basisausrüstung e-Edition umfasst bereits eine umfangreiche Sicherheitsausstattung, wie der aktive Spurhalteassistent, eine Verkehrszeichenerkennung und eine Müdigkeitserkennung belegen. Dazu gesellen sich ein Sportfahrwerk, eine Berganfahrhilfe, ein Drei-Speichen-Sportlenk­rad, Komfortsitze, ein sieben Zoll großer Multimedia-Touchscreen und ein sieben Zoll großes Instrumenten-Display. Eine Klimaautomatik und Regensensoren sind ebenso Bestandteil der e-Edition. Als Schwachpunkt fallen lediglich die technologisch nicht mehr ganz aktuellen Halogen-Scheinwerfer auf – zumal Opel eigentlich dafür bekannt ist, auf innovative Lichtlösungen (LED-Matrix) zu setzen.

Immerhin: Die beiden höheren Ausstattungsebenen e-GS Line und e-Elegance können mit Eco-LED-Frontscheinwerfern aufwarten. Darüber hinaus kommen bei e-GS Line 16-Zoll-Alufelgen, ein Parkpilot hinten, elektrische Fensterheber vorn­e wie hinten und schwarze Stoffsitz­e zum Tragen. Dagegen setzt sich e-Elegance mit LED-Ambientebeleuchtung und einer Mittelarmlehne vorne von der Basisbestückung e-Edition ab.

Die Tarife: e-Edition ist ab 29.999 Euro bestellbar, e-GS Line ab 31.649 Euro (erst im Laufe des Frühjahrs) und e-Elegance ab 31.799 Euro. Anfangs wird Opel den Corsa-e nur mit einer einphasigen Lademöglichkeit ausliefern können, ab Sommer sollten dreiphasige Varianten mit Schnelllademöglichkeiten folgen. Opel will demnächst weitere elektrifizierte Modelle nachfolgen lassen. Höchste Priorität hat eine Strom­variante des Mokka-X-Nachfolgers, außerdem wird es auch bald den Lieferwagen Vivaro-e mit zwei verschiedene­n Akku-Größen geben: 50 kWh (für 200 km Reichweite) und 75 kWh (für 300 km Reichweit­e). (hösch)


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