Nur bedingte Haft für Chef von Bayern-Ei

Salmonellen als Ursache für Tod eines Tirolers nicht beweisbar, jedoch Betrug in 190 Fällen und 26-fache Körperverletzung.

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© AFP

Von Reinhard Fellner

Regensburg, Innsbruck –Die skrupellosen Machenschaften der Firma Bayern-Ei führten zu einem der größten Lebensmittelskandale Deutschlands. Europaweit war es 2014 zum Ausbruch von Salmonellenerkrankungen gekommen. Hunderte Personen waren erkrankt, 95 davon in Österreich, 69 in Tirol. Bei einer einzigen Person sah es die Staatsanwaltschaft Regensburg letztlich als gesichert an, dass sie in direkter Folge des Verzehrs solcher kontaminierter Eier verstorben war. Laut Anklage gegen Bayern-Ei-Geschäftsführer Stefan P. handelte es sich um einen 94-jährigen Innsbrucker, der zur Ausbruchszeit von den Innsbrucker Sozialen Diensten (ISD) mit Essen auf Rädern beliefert worden war – die TT berichtete.

Rund sechs Jahre nach Bekanntwerden des Skandals endete nun gestern am Landgericht Regensburg der Prozess gegen den Bayern-Ei-Chef. Vorweg: Der Nachweis, dass der 94-jährige Tiroler tatsächlich wegen der salmonellenverseuchten Eier gestorben war, ist der Anklagebehörde vor der Schwurkammer nicht gelungen. Auch ein Körperverletzungsvorsatz an den übrigen geschädigten Konsumenten war im Zweifel nicht zu beweisen, wie gestern das Landgericht Regensburg gegenüber der TT erklärte. Sprecher Thomas Polnik: „Es fehlten hinreichende Beweise, dass P. beim Weiterverkauf der verseuchten Eier mit Gesundheitsschäden gerechnet und diese billigend in Kauf genommen hat.“

So blieb es gestern nach monatelangem Prozess bei einer Verurteilung wegen 190-fachen gewerbsmäßigen Betruges und 26-facher fahrlässiger Körperverletzung „in tateinheitlichen Fällen“.

Das nicht rechtskräftige Urteil blieb angesichts der Dimension des Salmonellenskandals noch relativ milde. Ein Jahr und neun Monate Haft wurden bedingt ausgesprochen. Dazu kommt eine unbedingte Geldstrafe von 350.000 Euro. Allerdings wurden 1,6 Millionen Euro aus dem Verkaufserlös der verseuchten Eier für an den Staat verfallen erklärt. Mildernd wurden P. die Unbescholtenheit, das Geständnis seiner Kenntnis von salmonellenpositiven Eigenproben und die achtmonatige Untersuchungshaft angerechnet.


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