Auf den Spuren legendärer Abfahrten in Kitzbühel

Mit seiner ersten Ski-Abfahrt vom Kitzbüheler Horn im Jahr 1893 legte Franz Reisch nicht nur den Grundstein für den alpinen Skisport.

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Wohl eines der besonders legendären Bilder von Reisch und seinen Begleitern auf einer Tour rund um Kitzbühel.
© KSC

Von Harald Angerer

Kitzbühel –Traumhafte Schwünge im Frühlingsschnee. Was heuer nicht mehr möglich ist, war im Jahr 1893 für den Kitzbüheler Skipionier Franz Reisch ein Hochgenuss. Alle Jahre wieder gedenkt man in Kitzbühel der Erstbefahrung durch den Skipionier am 15. März. Vor über zehn Jahren haben Kitzbühels Skiclub-Präsident Michael Huber und Bürgermeister Klaus Winkler dazu aufgerufen, doch auf den Spuren Reischs an jenem Tag aufzusteigen und abzufahren. Heuer ist dieses Gedenken jedoch in den Hintergrund gerückt, zumindest was die Skitour betrifft.

Der Kitzbüheler Skiclub hat nun bei seinen Recherchen eine alte Beschreibung ­Reischs zu seinem Aufstieg gefunden. „Die Beschreibung in der Zeitschrift Der Schneeschuh ist ja allgemein bekannt, aber Reisch hat auch eine Routenbeschreibung niedergeschrieben“, ist KSC-Präsident Huber begeistert und fügt hinzu: „Die könnte man heute noch nachgehen und es wäre eine super Tour.“ Reisch war damals am Bahnhof in Kitzbühel gestartet, beschreibt die jetzige Auffahrt zur Horn-Talstation als „Hohlweg“ und schildert, wie er bis zur jetzigen Mittelstation aufstieg. Dann schreibt er: „Weiter führt der Weg rechts durch den Wald zur Kaiserpromenade, einem ebenen Wegstück, das von kleinen ungefährlichen Lawinen, die hie und da von den schmalen Rinnen zwischen den ca. 40 m höher gelegenen Kalkfelsen herunterkommen, den Namen ‚Lahning‘ führt. (Diese Benennung für die unbedeutende Tatsache ist ein Beweis, wie wenig eine wirkliche Lawinengefahr in der Gegend bekannt ist).“ Es sei ein Genuss, diese Beschreibung zu lesen, schwärmt Huber. Bemerkenswert auch der letzte Satz der Aufstiegsbeschreibung: „Das Gipfelhaus ist im Winter geschlossen, auf der Spitze ist eine offene Kapelle.“ Diese Kapelle wich über die Jahre dem nun so markanten Fernsehturm am Horn.

„Schitouren um Kitzbühel“

Reisch legte mit seiner ersten Abfahrt am 15. März 1893 den Grundstein und baute dann weiter am nun legendären Skiort Kitzbühel. Bereits im Jahr 1908 veröffentlichte Reisch ein Buch mit dem Titel „Schitouren um Kitzbühel“. „Ein unglaubliches Werk, es gab davon fünf Auflagen, die ersten drei noch von Franz Reisch selbst verfasst, die weiteren zwei dann von seinem Sohn, von Hermann Reisch“, schildert Huber. Der Tourenführer wurde damals schon mit 19 Fotografien von Josef Herold, einem Freund von Reisch, bebildert.

Im Vorwort schwärmt ­Reisch von den Möglichkeiten: „Die für den Schilauf so außerordentlich günstige Gestaltung der Schieferberge mit ihren ausgedehnten, zusammenhängenden Wiesenflächen und den sanften welligen Formen hat diesen sonst wenig touristisch beachteten Gebieten eine ungeahnte neue Bedeutung verliehen.“ Er verwendete auch schon damals den Begriff der Kitzbüheler Alpen.

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"Ein beachtlicher Wert"

Zu finden sind in dem Tourenführer auf 48 Seiten insgesamt 18 Touren mit zum Teil bis zu fünf Varianten. Also im gesamten fast 70 mögliche Touren. Sie wurden in zwei Bereiche aufgeteilt. Zum einen in die Ost-Touren, vom Kitzbüheler Horn in die Südberge sogar bis hinüber ins Saalachtal im benachbarten Pinzgau. „Sie haben damals also durchaus auch weitere Touren gemacht. Reisch rechnete mit 20 Minuten für 100 Höhenmeter, ein beachtlicher Wert“, schildert Huber.

Besonders spannend ist aber der Teil West vom Hahnenkamm bis zum Pengelstein und bis nach Jochberg. In dem Tourenführer von 1908 ist nahezu das heutige Kitzbüheler Skigebiet zu finden. „Reisch erkannte schon damals das Potenzial des Bergrückens vom Hahnenkamm zum Pengelstein mit seinen seitlichen Hängen“, ist Huber begeistert. Es gebe zwar auch einige Touren, die heute kaum mehr bekannt sind, aber das Kernskigebiet habe Reisch schon damals abgefahren und in seinem Buch veröffentlicht.


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