Afrika: Virus erreicht jetzt auch die Ärmeren

Ironie der Geschichte: Afrikaner müssen sich jetzt vor Europäern schützen, berichtet der Experte Gebrewold.

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Menschen in Tansania stellen sich vor einem Krankenhaus an, um ihre Hände mit gechlortem Wasser zu waschen.
© AFP

Von Floo Weißmann

Addis Abeba –Das Coronavirus hat Afrika und damit viele der ärmsten Länder lange Zeit ausgespart. Doch in den vergangenen Tagen hat die Hälfte der afrikanischen Staaten erste Infektionen offiziell registriert. Nun drohe eine dramatische Entwicklung, sagte der Afrika-Experte Belachew Gebrewold vom MCI der TT. Denn die staatlichen Strukturen und die Gesundheitssysteme in vielen Teilen Afrikas sind weit weniger entwickelt als in China und Europa.

Das beginnt mit dem Händewaschen. „Wie viele Menschen in Afrika haben fließendes Wasser, Seife oder Desinfektionsmittel?“, fragt Gebrewold. Bewohner von Slums oder Flüchtlingslagern könnten sich nicht einmal mit den einfachsten Mitteln schützen. Dabei leben die Menschen in Afrikas rasch wachsenden Metropolen besonders dicht beieinander.

Schon jetzt fehlt es an Ärzten und medizinischer Ausrüstung. Und viele Afrikaner können sich keine Impfungen oder Medikamente leisten. Dazu kommt vielerorts Mangelernährung. Wenn die Pandemie voll zuschlägt, könnten die Folgen weitaus dramatischer sein als in Europa.

Mehr Seuchenerfahrung

Afrika hat aber auch zwei Vorteile. Erstens ist die Bevölkerung deutlich jünger. „Die meisten Afrikaner wurden im 21. Jahrhundert geboren“, sagt Gebrewold. Und bei jüngeren Menschen verläuft Covid-19 tendenziell milder.

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Zweitens haben die Afrikaner mehr Seuchenerfahrung als etwa die Europäer. Sie wissen, dass sie rasch handeln müssen, sagt Gebrewold. Trotz vergleichsweise geringer Fallzahlen haben deshalb viele Länder schon begonnen, die Mobilität und das öffentliche Leben einzuschränken.

Vor allem Reisende aus Europa würden nun als Problemfälle betrachtet, berichtet Gebrewold. Angesichts der Migrationsdebatte sieht er darin eine Ironie der Geschichte: „Diejenigen, die sich abschotten, werden nun von den Abgeschotteten selber draußen gehalten.“ Dass die Europäer Krankheiten exportieren, erinnert zudem an die Kolonialgeschichte.

Neben einer Gesundheitskrise droht Afrika ein Stillstand in der Entwicklung. Viele Länder arbeiten hart an Demokratisierung, wirtschaftlichem Aufschwung und Bildung, berichtet Gebrewold. Dafür seien sie auf enge internationale Kooperation angewiesen. Doch wegen der Pandemie sind nun China und Europa mit sich selbst beschäftigt, und die Afrikaner bleiben womöglich auf sich alleine gestellt.


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