Bald mehr Tests möglich: Tirol erhält schnelles Virus-Testsystem

Gute Nachrichten in einer herausfordernden Zeit. In Tirol stehen demnächst zwei Laborautomaten zur Verfügung, die sehr viel mehr Covid-19-Testungen am Tag ermöglichen, als derzeit bewältigbar sind.

Zwei vollautomatisierte Laborgeräte können künftig je 1400 der neu zugelassenen Tests auf das Coronavirus am Tag bewältigen.
© iStock

Von Gabriele Starck

Innsbruck, Basel –Es hat vor fünf Tagen weltweit Schlagzeilen gemacht: Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat in den USA eine Notfall-Zulassung für einen Test auf das neuartige Coronavirus erhalten. Zudem läuft das Diagnoseverfahren hochautomatisch, sodass zwischen 1400 und 4100 Proben täglich ausgewertet werden können. Das ist dank bereits für andere Labordiagnosen existierender Großgeräte von Roche namens Cobas möglich.

Die weltweiten Begehrlichkeiten sind dementsprechend groß. Alle wollen das System möglichst schnell zur Verfügung haben. Gestern meldete das Unternehmen, dass die Auslieferung der Tests in die USA bereits begonnen hat. Die ersten 400.000 Test-Pakete seien am Freitag auf den Weg geschickt worden. Und genauso viele sollen nun wöchentlich die Produktion verlassen.

Noch muss vieles händisch erledigt werden.
© Imago

Auch Europa kommt zum Zug – und recht schnell Tirol. Denn wie Roche der Tiroler Tageszeitung gestern bestätigte, wird das Land bald über zwei derartige Laborautomaten – Cobas 6800 – und die dazugehörenden Test-Kits verfügen. Diese Geräte schaffen je 1400 Proben am Tag, das heißt, es könnten dann 2800 Diagnosen pro Tag möglich sein.

Zum Vergleich: Derzeit werden in Tirol täglich immerhin 500 Proben abgearbeitet. Um einiges mehr als zu Beginn, weil sich inzwischen die fünf Laboreinrichtungen im ganzen Land unter der Koordination von Labormediziner Igor Theurl zusammengeschlossen haben und zusammenarbeiten. Die AGES in Wien schafft derzeit übrigens auch nicht mehr als 500.

Im Moment kommen aus der ganzen Welt ununterbrochen Nachfragen. Entschieden wird nach Dringlichkeit.
Barbara Schädler
 (Roche-Kommunikationschefin)

Das erklärt das große Interesse an der neuen Nachweismöglichkeit, die dem Unternehmen zufolge der erste kommerziell verfügbare Test aus Abstrichmaterial auf das Virus ist. „Im Moment kommen aus der ganzen Welt ununterbrochen Nachfragen“, sagt die Chefin der Roche-Kommunikation, Barbara Schädler. Entschieden werde aber nach Dringlichkeit, betont sie. „Und da die Situation in Tirol eher schwierig ist, werden wir dort schon demnächst ein Gerät installieren.“ Mit allem Drum und Dran. Das werde nicht mehr lange dauern, verspricht Schädler. „Wir produzieren die Tests derzeit im Drei-Schicht-Betrieb und überlegen ständig, wie wir die Produktion noch weiter optimieren können.“

Das von Roche direkt zugesprochene Gerät wird im Zentrallabor des Landeskrankenhauses Innsbruck zum Einsatz kommen, erklärt Testungs-Koordinator Theurl. Das zweite Gerät werde heute in Zams installiert. Dem dort niedergelassenen Pathologen Peter Obrist war es schon zuvor gelungen, sich einen derartigen Laborautomaten zu sichern, weil eine andere Einrichtung die Option darauf nicht wahrgenommen haben soll. Bis Cobas 6800 mit den Covid-19-Test beginnen kann, wird es allerdings schon noch ein wenig etwas dauern.

Auch wenn der neue Nachweis von Roche gern Schnelltest genannt wird, sei der Begriff irreführend, sagen Labormediziner. Denn die Testung einer Probe benötige für sich genommen dreieinhalb Stunden. Valide, also verlässliche Verfahren brauchen eben Zeit.

Das von Roche zur Verfügung gestellte Gerät wird im Zentrallabor des Landeskrankenhauses zum Einsatz kommen.
Igor Theurl 
(Koordinator Covid-19-Tests)

Dass das System dennoch so viel mehr Ergebnisse in kürzerer Zeit bewältigt, liegt an der Automatisierung. Getestet werden demnach immer 96 Proben gemeinsam auf einer Platte im Gerät. Und auch wenn die Ergebnisse dieser 96 Proben erst dreieinhalb Stunden später vorliegen, kann bereits nach 90 Minuten mit der Testung von 96 weiteren Proben begonnen werden – einfach weil das Verfahren mehrere Stufen durchläuft.

Inzwischen arbeiten Gesundheitsbehörden und Forscher aber schon an der nächsten Herausforderung. Die Tests auf das neue Coronavirus messen derzeit mit Virus-RNA-Teilen buchstäblich „totes Material“. Immer wichtiger werde aber bald der Nachweis bereits vorliegender Antikörper gegen das neue Coronavirus, sagt der Leiter des Bereichs Öffentliche Gesundheit bei der AGES, Franz Allerberger: „Damit kann man feststellen, ob jemand schon in Kontakt gekommen ist und dass er durch die Immunreaktion (also die Antikörper, Anm.) nunmehr geschützt ist“, sagte Allerberger. Die AGES arbeite bereits an der Etablierung solcher Antikörpertests.

Interview mit Labormediziner Igor Theurl:

Labormediziner Igor Theurl, Koordinator Testungen Coronavirus
© die fotografen

6 Fragen an Dr. Igor Maximilian Theurl

Viele Menschen mit Symptomen beklagen, dass sie nicht getestet werden. Warum ist das so?

Maximilian Theurl: Es liegt nicht so sehr an den Labors, wir haben inzwischen ein Netzwerk von fünf Einrichtungen in Tirol, die testen. Doch der Run auf diese Tests ist weltweit unglaublich und die Firmen kommen mit der Produktion nicht nach. Wir haben aber alle sehr gute Beziehungen zu Unternehmen und versuchen, so viele Tests wie möglich zu bekommen, und es werden immer mehr.

Wie viele Tests werden in Tirol derzeit täglich durchgeführt?

Theurl: Heute Dienstag sind wir bei insgesamt 500 Tests. Bei 326 Proben liegt das Ergebnis bereits vor, die restlichen werden über Nacht abgearbeitet. Wir kommunizieren intensiv miteinander, damit wir Proben tauschen können, falls irgendwo ein Rückstau droht und woanders Kapazitäten frei sind.

Ist noch mehr möglich?

Theurl: Die Zahl der Testungen ist noch deutlich erhöhbar, und zwar durch die dafür notwendigen Großgeräte, die wir bald zur Verfügung haben werden (siehe rechts).

Können dann alle getestet werden, die das wollen?

Theurl: Ich verstehe, dass sich die Leute sorgen. Aber man muss auch verstehen, dass die kritischen Bereiche vorrangig behandelt werden. Das bedeutet, dass in den Krankenhäusern und Pflegeheimen zuerst dia­gnostiziert werden muss, weil es darum geht, die Strukturen im Gesundheitssystem zu erhalten. Bevor ich als Nicht­risikopatient getestet werde, sollte eine Krankenschwester oder die Pflegerin Vorrang erhalten. Da geht es nicht darum, dass man jemanden nicht wichtig nimmt, aber man muss auch verstehen, was das Gesundheitssystem jetzt zu leisten hat und dass vorrangig Risikopatienten geschützt und getestet werden.

Gibt ein negativer Test überhaupt Sicherheit, dass ich virusfrei bin?

Theurl: Eben nicht. Eine Testung ist eine Momentaufnahme. Es kann sein, dass es mir wegen eines Infekts nicht gut geht, ich lasse mich testen und bin negativ. Ein paar Tage später infiziere ich mich mit dem Coronavirus und interpretiere die Symptome falsch.

Wird es künftig wichtig sein, auch zu testen, ob jemand Antikörper entwickelt hat, um die Immunisierungsrate in der Bevölkerung festzustellen?

Theur: Es gibt Tests, aber die müssen noch auf Validität geprüft werden.

Das Interview führte
Gabriele Starck


Kommentieren


Schlagworte