Erster Corona-Fall in Tiroler Pflegeheim, Gesundheitspersonal vermehrt betroffen

In Österreich stecken sich immer öfter Mediziner und Spitalmitarbeiter an. Erstmals gibt es einen Corona-Fall in einem Tiroler Altenheim.

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Ein Heimbewohner in Aldrans ist an Corona erkrankt, die Betreuung der übrigen Bewohner bleibt aufrecht
© Thomas Böhm

Wien, Kufstein, Innsbruck –Die Coronavirus-Pandemie hat ein viertes Todesopfer in Österreich gefordert. Bereits in der Nacht auf Sonntag ist eine erst 48-jährige Patientin in Heimquarantäne in Wien gestorben, bereits neun Menschen sind es in Südtirol.

Zugespitzt hat sich die Situation im größten Krankenhaus Österreichs. Zwei Ärzte im Wiener AKH – beide Anästhesisten – wurden positiv getestet. Die Betroffenen haben trotz Warnung der Ärztekammer am vorvergangenen Wochenende an einem Ärztekongress in Zürs teilgenommen und dürften sich dabei infiziert haben. Die Erkrankung verläuft jedoch moderat, ihr Gesundheitszustand ist „gut“. Kontaktpersonen der Ärztin – rund 20 Spitalsmitarbeiter – seien bereits auf eine Ansteckung getestet worden.

📽 Video | Ärzte mit Coronavirus infiziert

Auch in anderen Bundesländern gab es Probleme für das Gesundheitspersonal: In Salzburg wurde eine Ärztin am Uniklinikum positiv getestet, in Waidhofen an der Thaya war eine Führungskraft des Klinikums betroffen und aus dem Burgenland wurden knapp 30 Spitalsmitarbeiter in Quarantäne gemeldet.

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Kufsteiner Spital betroffen

Auch im Bezirkskrankenhaus Kufstein sind derzeit zwei Mitarbeiter zuhause in Quarantäne, wie die Leitung des Hauses bestätigt. Ob das mit einem Fall einer Corona-Infizierung bei einem stationär aufgenommenen Patienten zusammenhängt, war gestern nicht zu erfahren.

Der Mann war angeblich wegen einer anderen Erkrankung in Behandlung und nach einem Verdacht auf das Virus positiv getestet worden. Laut der ärztlichen Leitung des Bezirkskrankenhauses, Primar Carl Miller, sei der Patient sofort isoliert worden. Betroffen sind dabei neben den näheren Angehörigen auch acht Mitarbeiter des Krankenhauses sowie eine noch nicht genau festgestellte Anzahl an Patienten auf der betreffenden Station. Testergebnisse liegen noch nicht vor.

Am Sonntagvormittag traten bei einem Heimbewohner im Altenheim St. Martin in Aldrans typische Corona-Symptome wie Fieber auf. Der herbeigerufene Sprengelarzt nahm in Abstimmung mit der Pflegedienstleitung einen Abstrich vor, der Mann wurde sofort isoliert.

Heimbewohner angesteckt

Seit gestern liegt das positive Testergebnis vor. Der Mann befindet sich seitdem offiziell in Quarantäne. Der Betroffene ist laut Lanser Bürgermeister und Verbandsobmann Benedikt Erhard nur in geringem Maß pflegebedürftig und gewohnt, sich frei zu bewegen. „Im Gespräch mit ihm und seinen Angehörigen stellte sich heraus, dass er sich noch nach Verlautbarung des allgemeinen Besuchsverbots außerhalb des Hauses zumindest mit seiner Freundin getroffen hatte. Zwölf Tage vor Auftreten der Symptome wurde er von seinem in Südtirol wohnhaften Sohn besucht“, sagt Erhard.

Die 30 Mitarbeiter und 66 Bewohner sollen in den vergangenen zehn Tagen nur wenige und kurze Kontakte mit dem Betroffenen gehabt haben. „Die Amtsärztin empfahl deshalb, bei strikter Beachtung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen die Betreuung der übrigen Bewohner aufrechtzuerhalten“, fügte Erhard hinzu. (TT, wo, dd)


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