Quarantäne: Scheidungsraten dürften steigen

Den Tag planen, nicht alles zu zweit machen, sich die Beine vertreten, Bilanz ziehen, wie man in der Familie mit dem Thema Corona umgeht. Tipps von Experten.

Zweisamkeit rund um die Uhr leben oder im Familienverband auf engstem Raum birgt Herausforderungen.
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Von Anita Heubacher

Innsbruck –„Quarantäne heißt nicht Isolation. Niemand ist eingesperrt“, sagt Bernhard Holzner, Psychologe und Psychotherapeut an der Universitätsklinik Innsbruck. Der Experte ist sich der „Sondersituation“, in der sich Tirolerinnen und Tiroler seit der De-facto-Ausgangssperre befinden, bewusst. Die Herausforderung sei, mit diesem „ungewollten Urlaub“ richtig umzugehen.

„Konflikte können zum Beispiel dadurch entstehen, wie man in der Familie mit der Situation umgeht, dem einen geht es besser, wenn man über die Krise spricht, der andere leidet darunter.“ Es gehe darum, sich wechselseitig rückzuversichern, wie es dem anderen gehe, Bilanz zu ziehen und sich zu fragen, wie man die Krise bis dato gemeistert hat. Holzner rät, Dinge, die man vor der Krise alleine gemacht hat, auch weiter alleine zu machen. „Wenn man mit Freunden telefoniert, muss man das nicht zu zweit machen. Das haben Sie ja früher auch nicht getan, sich mit einem Freund ausschließlich zu zweit getroffen.“

Es sei auch ganz wichtig, sich die Beine zu vertreten und auch kurze Spaziergänge allein oder im Familienverband zu unternehmen. „Strukturieren Sie Ihren Alltag“, rät der Experte.

Wie in China sei wohl auch in Österreich damit zu rechnen, dass die Scheidungsrate nach der Krise steige. „Das ist kein Coronavirus-Spezifikum. Das ist auch oft nach Urlauben oder bei Pensionsantritten der Fall. Das liegt einfach daran, dass Paare viel mehr Zeit miteinander verbringen und Defizite dadurch sichtbarer werden.“

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Was alle Experten derzeit raten, ist, nicht in Panik zu verfallen. Holzner hat auch dafür einige Ratschläge. „Wenn man merkt, dass man sehr besorgt ist, dann beschäftigen Sie sich nicht rund um die Uhr mit dem Coronavirus.“ Die wesentlichen Nachrichten würden reichen. „Die Bilder machen Angst.“ Zu empfehlen sei, sich abzulenken, sich sinnvoll zu beschäftigen, ein Buch zu lesen oder ein Spiel zu spielen.

Holzner verweist auf das umfangreiche Hilfsangebot zur psychologischen Unterstützung. „Das sollen nicht nur Menschen mit psychischer Beeinträchtigung nützen“, rät er.

Weitere Informationen: www.i-med.ac.at und www.tirol.gv.at


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