Gesundheitsminister Anschober zu Corona: „Jeder ist ein Teil der Lösung“

Gesundheitsminister Anschober setzt auf sachliche Information und Transparenz, um so auch die Dunkelziffern niedrig zu halten.

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Der grüne Gesundheitsminister Rudolf Anschober orientiert sich in erster Linie an die Meinung des zwölfköpfigen Expertenbeirats.
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Ist Tirol als Bundesland jetzt ein Risiko-Gebiet?

Anschober: Wir haben in Tirol die höchste Steigerung der Erkrankungszahlen aller Bundesländer. Es ist wirklich sehr ernst. Deshalb müssen wir alle in ganz Österreich, besonders aber auch in Tirol hier höchst konsequent agieren und reagieren. Mein Appell lautet daher: Alle Vorsichtsmaßnahmen einhalten und akzeptieren. Wir müssen alle einen Beitrag leisten. Bitte keine Wochenendausflüge planen. Jetzt ist jeder ein Teil der Lösung.

Werden in den Bundesländern Spitäler definiert, die quasi Corona-frei bleiben, um dort alle anderen Akutfälle behandeln zu können.

Anschober: Jedes Bundesland arbeitet an seiner eigenen Lösung mit demselben Ziel: gut vorbereitet sein für die deutlich steigenden Erkrankungszahlen, um eine Situation wie in Italien zu vermeiden. Einerseits was den Schutz der Häuser betrifft, andererseits, um Raum zu schaffen für die Akutfälle. Hierzu eine dringende Bitte an alle: Immer bei Symptomen und bei sonstigen gesundheitlichen Akutproblemen den Arzt telefonisch kontaktieren. Das gilt auch für Zahnärzte. Wir müssen dafür sorgen, dass das Virus nicht in Spitäler und Ordinationen eingeschleppt wird.

Wie ist jetzt der Letztstand bei den Testungen?

Anschober: Wir haben derzeit ausreichend Testungen und werden diese weiter schrittweise erhöhen. Vor allem bei den MitarbeiterInnen in Spitälern. Dies ist unsere wichtigste Gruppe. Wir haben ausreichend Reservepotential, zudem erwarten wir für kommende Woche eine Großlieferung von neuen Testformen. Aber wir werden weiter nur bei Verdachtsfall Testungen durchführen. Jeder, der Symptome hat: 1450 rufen. Die Letztentscheidung über eine Testung hat aber immer der Arzt.

Wie gehen Sie mit den widersprüchlichen Expertenmeinungen um?

Anschober: Wir haben im Krisenstab einen Fachbeirat aus 12 Experten. Mit diesen Experten bin ich im regen Austausch. Deren Meinung ist für mich ausschlaggebend. Was von außen kommt, klammere ich aus. Sonst werde ich verrückt.

Gestern wurde bekannt, dass erstmals in Europa mehr Corona-Tote zu vermelden sind als in Asien.

Anschober: Aus einer regionalen Epidemie in China wurde eine globale Pandemie. Sie hat ihre Epizentren in Europa. Wir müssen daher mit aller Kraft die Gegenmaßnahmen vorantreiben, um zu vermeiden, dass wie in Teilen der Lombardei die Spitäler überfordert werden. Ich hoffe, dass wir bis Dienstag oder Mittwoch sagen können, ob unser Weg ein erfolgreicher ist. Ich hoffe, dass wir die Steigerungsrate auf 20 Prozent reduzieren können oder sogar weniger.

Mussten Sie Ihren ruhigen, sachlichen Ton lernen?

Anschober: Ich bin eher ein ruhiger Typ. Mein Credo lautet: Sachlich und seriös Fakten auf den Tisch legen. Ich weiß, dass Fehler passieren, aber trotzdem muss man als Politiker eine ruhige Hand an den Tag legen, um Sicherheit vermitteln zu können. Jetzt gilt es, gemeinsam die Krise zu bewältigen. Danach – ich hoffe, es dauert nicht zu lange – kann und muss dann Platz geschaffen werden für eine transparente Fehleranalyse.

Das Gespräch führte Michael Sprenger


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