Wegen Corona im Ausland gestrandet: Der lange Weg zurück nach Haus

Wieviele Tiroler derzeit noch im Ausland festsitzen, ist nicht bekannt. Drei von ihnen erzählen vom teils nervenzehrenden Warten auf die Heimreise.

Der Innsbrucker Valentin Kobler und seine Kollegin Julia Wartha sind derzeit in Sri Lanka unterwegs.
© Privat

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Kapstadt, Colombo, Panama-Stadt – Die Welt war eine andere, als Hannes und Christina Witting Anfang März nach Südafrika aufbrachen. Unberührte Natur wollten sie erleben, wilde Tiere im Krüger-Nationalpark bestaunen. „Tagelang hatten wir weder Handyempfang noch Internet“, erzählt der gebürtige Pitztaler. Bis zum vergangenen Montag. „Völlig aus dem nichts hat es uns getroffen.“ Die von der Corona-Pandemie ausgelösten Ereignisse überschlugen sich, die Reise wurde abgebrochen, die Wittings bemühten sich um einen Rückflug. Vergebens. Seither warten die zwei Tiroler in Kapstadt darauf, dass sie von den österreichischen Behörden zurückgeholt werden.

Mindestens 47.000 Österreicher halten sich derzeit noch im Ausland auf. „Wie viele davon Tiroler sind, ist uns nicht bekannt“, sagt Peter Guschelbauer, Sprecher des Außenministeriums. „Wir tun unser Bestes, so viele wie möglich zurückzuholen.“ Es gab bereits Rückholaktionen aus Marrakesch, Teneriffa, Las Palmas und Hugharda. „Weitere sind Ende der Woche aus Südafrika, Mauritius und den Malediven vorgesehen.“ Nun will das Ministerium einen Plan erstellen, in dem geregelt ist, wer, wann und von wo wieder nach Österreich gebracht werden kann.

Hannes und Christina Witting (rechts) warten in Kapstadt darauf, nach Österreich zurückgeholt zu werden.
© Privat

Unsicherheit treibt Hannes Witting derzeit an. „Wir buchen unser Hotel von Tag zu Tag. Die Situation ist konfus. Ich weiß auch nicht, wie diese sich hier weiterentwickeln wird, ob sie uns aus der Unterkunft schmeißen, wir noch ein Taxi oder einen Bus zum Flughafen bekommen. Ich hoffe einfach, dass wir schnell nach Hause kommen.“

Der 32 Jahre alte Florian P. und seine Frau sitzen in Panama fest – mit ihnen rund 40 andere Österreicher. Dort sei die Lage „verfahren“, wie der Tiroler der APA erzählte. Menschen würden willkürlich in Quarantäne gesteckt. Seiner Mutter, mit der die TT gesprochen hat, berichtete er von Polizisten mit Maschinenpistolen, viele Touristen würden sich nicht mehr aus ihren Zimmern trauen.

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In Sri Lanka sind derzeit der Innsbrucker Valentin Kobler und seine Kollegin Julia Wartha. „Hier geben sie den Europäern die Schuld, die Krankheit ins Land gebracht zu haben“, sagt der 26-Jährige. „Unser Fahrer, der uns durchs Land bringt, wurde schon von Einheimischen angepöbelt, weil er mit uns unterwegs war.“ Obwohl er von zuhause panische Anrufe erhalten hätte, sorgt sich Kobler nicht um seine Heimkehr. „Ein Flug ist für Samstagnacht gebucht. Fällt der aus, sind wir auf der Rückhol-Liste des Außenministeriums eingetragen.“

Laut Ministeriums-Sprecher Guschelbauer, sollen sich alle, die im Ausland festsitzen unter 0043/1901154411 an die Info-Hotline wenden.


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