Corona-Krise: Unsicherheit vom Optiker bis zum Zahntechniker

Tausende freiberufliche Physiotherapeuten, Heilmasseure und andere medizinischen Berufe wissen nicht, ob sie arbeiten sollen oder nicht.

Praxis auf- oder zusperren? Das ist in vielen Berufsgruppen die Frage. Die Kammer bittet um Geduld.
© PantherMedia

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Andreas Egger ist Physiotherapeut und Osteopath in Wattens. Lässt er seine Praxis offen, ist die Gefahr groß, dass er vielleicht Patienten infiziert und umgekehrt. Sperrt er seine Praxis zu, ist unklar, ob er den entstandenen Schaden von der öffentlichen Hand rückerstattet bekommt. „Ich möchte nicht arbeiten, das sagt mir die Vernunft, die finanzielle Abhängigkeit drängt aber einige dazu, offen zu lassen.“

Dieses Dilemma haben derzeit 1000 freiberufliche Physiotherapeuten in Tirol, 14.000 sind es österreichweit. Auch nachdem gestern Hilfe aus dem Wirtschaftsministerium zugesichert wurde, traut die Obfrau des Landesverbands der Physiotherapeuten, Monika Peer, dem Frieden nicht. „Es herrscht noch keine behördliche Klarheit.“ Wenn die Physiotherapie-Praxen geschlossen werden, brauche es Ausgleichszahlungen, wenn sie offen blieben, Schutzbekleidung. Peer erinnert an viele Patienten, deren Therapie auch nicht aufgeschoben werden könne. „Nach einer Knieoperation müssen die Gelenke bewegt werden, andere Patienten müssen Schlucken lernen.“ Die Bandbreite ist groß. Viele Therapien müssten wohl durchgeführt werden.

Österreichweit hat „Physio Austria“ Alarm geschlagen. Deren Sprecher in Tirol ist Markus Geiregger. Selbst Physiotherapeut, weist er darauf hin, dass auch Diätologen, Logopäden, die Orthopiker und die Ergotherapeuten auch nicht wüssten, ob sie arbeiten sollen oder nicht. „Wir sehen oft zehn bis 20 Patienten pro Tag. Die Ansteckungsgefahr ist also groß.“ Alle diese Berufgruppen hätten teils existentielle Sorgen und ebenso teils nicht aufschiebbare Termine.

Die Verunsicherung sei groß, auf allen Seiten, bei den Therapeuten und bei den Patienten. „Ich behelfe mir derzeit mit Tele-Reha. Ich mache die Beratung per Telefon und zeige die Übungen vor“, meint Geiregger. Dauerlösung könne das keine sein. Völlig offen ist auch noch, ob Tele-Reha den Patienten überhaupt von der Krankenkasse rückerstattet wird. Da sind viele Fragen noch ungeklärt.

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Bei der Wirtschaftskammer ist die Hölle los. Allein in den letzten Tagen sind laut Pressesprecher Peter Sidon mehr als 8000 Anrufe von Selbstständigen eingetroffen. Neben den Therapeuten plagen auch andere Berufsgruppen dieselben Fragen. Offen lassen oder zusperren? Das gilt für den Handel mit Heilbehelfen oder medizinischen Produkten, für Heilmasseure, für Optiker und Hörgerätehersteller, für Orthopädietechniker und Zahntechniker. „Wir bitten um etwas Geduld“, sagt Sidon.

Nach jedem Paket, das die Bundesregierung präsentiere, blieben unzählige Details offen. „Uns rennen die Unternehmer die Türe ein.“ Das Team der Wirtschaftskammer bemühe sich, eine Frage nach der anderen abzuarbeiten. „Das dauert seine Zeit.“


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