Hochvogel sendet Signale aus seinem Inneren

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Der Spalt direkt am Gipfel ist zirka 50 Meter lang und an manchen Stellen zieht er sich bereits 70 bis 80 Meter in die Tiefe.
© Johannes Leinauer

Von Simone Tschol

Hinterhornbach – Der Spalt am Gipfel des Hochvogels wächst und wächst. Seit 2017 wird jede noch so kleine Bewegung des Gesteins von Sensoren erfasst, die Daten in Echtzeit via Funk nach München geschickt. Dort werten Mitglieder der Fachgruppe Hangbewegungen der Technischen Universität die Daten aus. Sie wollen ein Frühwarnsystem entwickeln, um Felsstürze möglichst genau vorhersagen zu können.

„In den letzten zwei Jahren hat sich der Spalt zweieinhalb Zentimeter geöffnet. 2018 und 2019 waren jedoch vergleichsweise trockene Jahre. Verzeichnen wir mehrere Starkregentage hintereinander, so öffnet sich der Spalt schneller, bis zu einem halben Zentimeter in drei Tagen“, gewährt Michael Krautblatter, Geologe und Projektleiter, Einblick in die Messergebnisse.

Während er und sein Team anfangs davon ausgegangen sind, dass es rund 260.000 Kubikmeter Material sein werden, die in einem gewaltigen Felssturz ins Tal donnern, wird nun die Wahrscheinlichkeit immer größer, dass es sechs kleinere Felssturzeinheiten mit 8000 bis 130.000 Kubikmeter Gesteinsmasse sein werden. „Die Analysen haben ergeben, dass die Seitenspalten immer größer werden“, lässt der Experte für Naturgefahren, Hangbewegungen und Permafrostsysteme wissen. Inzwischen wurden auf dem 2592 Meter hohen Gipfel in den Allgäuer Alpen kabellose Sensoren installiert. Blitzschläge hatten den verkabelten Messstellen stark zugesetzt. Jetzt senden die Sensoren direkt, alle zehn Minuten.

Wann der Gipfel ins Tal stürzen werde, sei ungewiss. Krautblatter: „Wir erwarten uns, dass im Falle eines Falles der Berg Signale gibt. Dass der Spalt sich schneller öffnet als sonst.“ Bei der Vorhersage dieses Zeitpunktes sollen auch neue seismische Messgeräte helfen. Diese wurden installiert, um den Bruch von intakten Felsen im Untergrund festzustellen. Bislang gab es 270 solcher Aktivitäten, so Michael Krautblatter. Geforscht werden soll weiter, denn: „Der Hochvogel ist für uns schon etwas ganz Spezielles, weil man selten so große Bewegungen im Fels so detailliert beobachten kann“, sagt der Münchner Geologe gegenüber der TT.


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