Tirols Industrie pendelt zwischen Produktion und Pause

Swarovski, Liebherr in Telfs und Lienz sind geschlossen, Stihl überlegt Öffnung. Plansee, Innio, Sandoz, Holz Egger und Tyrolit produzieren.

Die Industrie im Spagat zwischen Arbeiten und Mitarbeiterschutz. (Symbolfoto)
© Thomas Böhm

Von Max Strozzi

Innsbruck – Tirols Industriebetriebe versuchen trotz Corona-Krise, den Betrieb aufrecht zu halten. Einige große Unternehmen haben aber die Produktion bereits gestoppt. So beispielsweise Swarovski in Wattens und Swarovski Optik in Absam – die TT berichtete. Auch Raupenhersteller Liebherr in Telfs mit 800 Mitarbeitern steht still. „Wir haben bis 31.3. den Betrieb offiziell geschlossen und bereiten uns auf Corona-Kurzarbeit vor“, erklären die Geschäftsführer Alfred Weithaler und Steffen Günther auf TT-Anfrage. Der zweiwöchige August-Betriebsurlaub sei vorgezogen worden. Dann werde man eine dreimonatige Corona-Kurzarbeit beantragen. Nach dem Ostermontag plane man, den Betrieb wieder hochzufahren. Mitarbeiter orten bei Liebherr Mängel beim Schutz vor Corona. So sei etwa die Kantine lange geöffnet geblieben, auch habe eine Information zu Corona-Vorkehrungen am vergangenen Wochenende die Mitarbeiter nicht erreicht, weil sie Firmenmails an Privatgeräten nicht öffnen dürfen. So seien 800 Beschäftigte am Montag uninformiert zur Arbeit gegangen.

Diese Vorwürfe weist das Führungsduo zurück. Die Kantine werde von der Firma Eurest betrieben. „Wir haben sofort bei Eurest angerufen, die darauf verwiesen hat, dass die Kantine zum damaligen Zeitpunkt nicht von den strengen Regeln betroffen gewesen sei.“ Damals seien noch Ansammlungen von bis zu 100 Personen erlaubt gewesen. Dennoch habe man diverse Maßnahmen ergriffen wie etwa längere Essens-Intervalle, um Kontakte zu reduzieren. Auch Zufahrten zum Betriebsgelände seien beispielsweise neu geregelt worden. Die Informationen zu Corona-Vorsorge seien vergangenen Sonntag an alle 100 Führungskräfte mit Diensthandys gegangen.

Am Montag sei dann mit den Belegschaftsvertretern vereinbart worden, den Betriebsurlaub vorzuziehen. „Bei uns gibt es keinen Corona-Fall und auch keinen Verdachtsfall“, betonen die Firmenchefs.

Auch beim Kühlgerätehersteller Liebherr in Lienz herrscht Produktions-Stopp. Wie es weitergeht, ist unklar. Trotz TT-Anfragen in den vergangenen Tagen, schriftlich wie telefonisch, herrscht bei der Pressestelle Funkstille.

Der Gartengerätehersteller Stihl in Langkampfen hat seit Montag zu. Heute wird aber mit den deutschen Eigentümervertretern beraten, ob nächste Woche die Produktion wieder anläuft.

Bei Plansee laufen die Bänder

Bei Plansee im Außerfern dagegen laufen die Bänder. „Es wird produziert, etwas eingeschränkt, aber nicht viel“, schildert Plansee-Geschäftsführer Bernhard Schretter. Man stelle auch viele systemkritische Produkte, etwa im medizinischen Bereich her. „Daher wollen wir so lange wie möglich die Produktion aufrechterhalten“, so Schretter: „Es gibt keinen bestätigten Coronafall und alle identifizierten Coronafälle im Außerfern haben keinen Bezug zu Plansee.“ Pro Schicht seien etwa 900 Mitarbeiter im Werk. Damit die Mitarbeiter so viel Abstand wie möglich halten, seien viele Maßnahmen getroffen worden: in Speisesälen, durch Home-Office, und bei den Schichtwechseln gebe es keinen Kontakt zwischen den einzelnen Schichten, Räume würden laufend desinfiziert. Schretter ortet eine hohe Loyalität bei den Mitarbeitern. „Abstand zueinander halten ist das Wichtigste“, so Schretter. Diese Erfahrung habe man in den chinesischen Werken gemacht, die inzwischen wieder fast auf Normalbetrieb laufen.

Auch beim Gasmotorenhersteller Innio in Jenbach mit mehr als 1600 Mitarbeitern läuft die Produktion im Normalbetrieb, heißt es seitens des Unternehmens. Kurzarbeit sei derzeit nicht angedacht. Hygienemaßnahmen wie Handschuhpflicht sowie Anpassungen bei Pausen und Schichtübergaben sollen die Corona-Gefahr mindern. Zudem sei bereits aufgrund der Größe der Gasmotoren ein Abstand zwischen den Mitarbeitern gewährleistet.

Wie berichtet, halten auch andere Großbetriebe wie Holz Egger, Sandoz oder Tyrolit die Produktion weiter hoch.


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