Viele Betten und Praxen in Tirol sind leergespielt

In Tirol liegen fünf Corona-Patienten auf einer Intensivstation, 30 wurden stationär aufgenommen. In der Klinik Innsbruck sind noch genug Betten frei. In vielen Arztpraxen leeren sich die Wartezimmer. Masken sind im Anrollen.

An der Kinderklinik hat sich kein Kind infiziert. Eine Pflegerin war positiv getestet worden.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Anita Heubacher

Innsbruck –Mit Stand gestern Nachmittag mussten fünf Corona-Patienten in Tirols Spitälern auf Intensivstationen behandelt werden, 30 wurden stationär aufgenommen. Die Kapazitäten in den Spitälern sind noch vorhanden, weil alle verschiebbaren Operationen verschoben worden sind.

In den letzten Tagen sind es daher immer mehr verfügbare Betten geworden. Allein an der Innsbrucker Klinik sind es laut Pressesprecher Johannes Schwamberger 641 Normalbetten und 90 Intensivbetten, die belegt werden können. Wann die Kapazitätsgrenzen erreicht werden, kann Schwamberger dennoch nicht beantworten. „Das hängt vom täglichen Verlauf und der Zahl der Neuinfizierten ab.“ Wie berichtet, hat das Krisenmanagement ins Auge gefasst, Coronavirus-Patienten, die nicht mehr zu Hause bleiben können, aber auch nicht im Spital gepflegt werden müssen, in Hotels rund um die Klinik unterzubringen. 400 Betten sind angedacht, ob die je belegt werden müssen, ist offen.

Klinik vergleichsweise ruhig

An den Spitälern der Tirol Kliniken sind bis dato acht Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden. „Nicht nur medizinisches Personal, sondern auch Mitarbeiter in der Verwaltung“, sagt Schwamberger. Indes gibt es, wie berichtet, eine gute Nachricht: Keines der Kinder auf der Kinderkrebsstation ist infiziert. „Tatsächlich gibt es auch in Italien, wo unsere Ärzte nachgefragt haben, kein einziges krebskrankes Kind, das schwer an Covid-19 erkrankt ist.“ Eine Pflegerin auf der Kinderklinik war positiv auf Corona getestet worden.

An der Klinik ist es derzeit vergleichsweise ruhig – keine Besucher und durch die verschobenen OPs auch für die Ärzteschaft laut Schwamberger weniger zu tun als sonst. „Das war ja der Sinn der Sache“, meint er.

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Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) will am 5. April Bilanz ziehen und sehen, wie sich die Maßnahmen auf die Infektionen ausgewirkt haben. Erst dann werde entschieden, wie es mit der Quarantäne weitergeht. Halten dürfte der Liefertermin für die bestellten Schutzmasken und Schutzanzüge. „Wir rechnen mit dem Eintreffen am Wochenende“, sagt Tilg.

Bereits eingetroffen seien zahlreiche zusätzliche medizinische Helfer, die sich bei der Ärztekammer gemeldet hätten.

"Ende der Fahnenstange"

Der Präsident der Ärztekammer, Artur Wechselberger, sieht sich mit Kritik seiner Berufskollegen konfrontiert. Viele Ärzte haben sich an die TT gewandt und beklagt, dass sie weder genügend Schutzmasken noch Schutzkleidung hätten. „Ich stehe jeden Tag in meiner Praxis und sitze auch nicht auf einem unendlichen Vorrat an Masken.“ Die Kammer frage derzeit den Bedarf bei den Ärzten ab. Bestellt wird dann zusammen mit der Klinik.

Die Ordination sei leer geworden, erzählt Wechselberger. Mit wenigen Ausnahmen würde der Aufruf befolgt, nur nach telefonischer Vereinbarung in die Praxis zu kommen. Manche Ärzte würden sogar die Anwesenheit in den Ordinationen kürzen, weil sehr viel mehr telefonisch erledigt werden müsse. Schwer sei es für die meisten Ärzte bis dato gewesen, die Patienten im Wartezimmer zu separieren. „Aufgrund der Größe der Ordinationen war da schnell das Ende der Fahnenstange erreicht. Das ist jetzt besser.“


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