Freizeitwohnsitze: Lermoos kämpft gegen Ausverkauf

Mit Vertragsraumordnung und Bausperrenverordnung will die Gemeinde Lermoos Freizeitwohnsitze und Investorenmodelle verhindern.

Die Gemeinde Lermoos will zukünfigt Freizeitwohnsitze und Investorenmodelle verhindern.
© Paschinger

Von Alexander Paschinger

Lermoos –„Momentan zählen wir in Lermoos 23 Freizeitwohnsitze“, erklärt Bürgermeister Stefan Lagg gegenüber der TT. Und wahrscheinlich gebe es noch einmal das Doppelte an versteckten derartigen Wohneinheiten, schätzt er. „Diese vermuteten Freizeitwohnsitze werden gerade von uns angeschrieben – sie müssen sich der Gemeinde gegenüber erklären“, sagt Lagg, der Freizeitwohnsitze, aber auch Investorenmodelle verhindern will. Die Gemeinde wird daher im nächsten Raumordnungskonzept mit einer Vertragsraumordnung und bis dorthin mit einer Bausperrenverordnung ab einer Grundstücksgröße von 400 m² reagieren. Ab dieser Größenordnung braucht es einen Bebauungsplan, mit dem klare Einschränkungen in Zweck und Nutzung der neuen Gebäude festgeschrieben werden können.

Es gebe derzeit „einige Problemfälle in Lermoos“ und die Gemeinde „hat eine Verantwortung gegenüber der nächsten Generation“, sagte BM Lagg bei der vorletzten Gemeinderatssitzung. Mit einer Vertragsraumordnung werden üblicherweise mehrere Eckpunkte fixiert, wie Rechtsanwalt Markus Kostner dem Gemeinderat erläuterte: Dazu gehören Nutzungsvereinbarung, keine Freizeitwohnsitznutzung, Einräumung von Informationsrechten, eventuell Parifizierungsverbot (Miteigentum), Vorkaufsrecht, Pönalen oder auch zeitlich begrenzte Bankgarantien. Allerdings kommt so eine Vertragsraumordnung nur bei Flächenwidmungsänderungen oder Bebauungsplanerlassungen zur Anwendung – sie gilt nicht für bestehende Gebäude.

Was den Wert der Grundstücke betrifft, handelt es sich freilich um einen Spagat zwischen den Interessen des Verkäufers, der einen möglichst hohen Preis erzielen möchte, und der Gemeinde, die leistbaren Grund für ihre Bürger zur Verfügung haben will.

„Wir möchten möglichst bei jedem wissen, wofür er das neue Gebäude nutzt – es ist nicht erlaubt, neue Freizeitwohnsitze zu schaffen“, betont Lagg das Ziel. Die Gesetze des Landes seien dabei „leider sehr löchrig“, weshalb er auf die Notwendigkeit der Einführung der Vertragsraumordnung verweist.


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