Tiroler Studenten im Ausland: „Es wird weitergehen“

Hunderte junge Menschen aus Tirol wollten das Sommersemester für einen Studienaufenthalt im Ausland nutzen. Für viele steht die Heimreise an.

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Für viele Studierende, Schüler und Lehrlinge ist infolge der Ausbreitung des Coronavirus der Traum vom Auslandssemester vorläufig geplatzt.
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Von Sabine Strobl

Innsbruck — Stefanie ist in ihrem Zimmer im Studentenheim zu erreichen. Die Tiroler Jusstudenti­n absolviert ein von Erasmus unterstütztes Auslandssemester in der tschechischen Universitätsstadt Brünn. Infolge der Corona-Krise bleibt die Uni geschlossen. Die Studierenden arbeiten von daheim aus. Online-Kurse erleichtern das Selbststudium. Die Zimmerpartnerin musste in die USA zurückkehren. „Das Erasmus-Programm läuft weiter, ich kann das Semester abschließen, wie, steht jedoch noch nicht fest. Ich möchte diese Situation mit den anderen Studenten aus ganz Europa bewältigen", erzählt die Tirolerin am Telefon. „Wir halten uns brav an die Maßnahmen, kommunizieren über den Balkon und das Handy und ich koche selbst."

Wie bei vielen anderen ist die Rückreise derzeit offen. Die Nationalagentur Erasmus plus Bildung ist Teil des OeAD (Österreichischer Auslandsdienst). 3590 junge Menschen aus Österreich, davon 410 von Tiroler Hochschulen, hatten für das Sommersemester einen Studienaufenthalt im Ausland geplant, erklärt Pressesprecherin Ursula Hilmar auf Anfrage der TT. Österreich ist eines der wenigen Länder, das die EU-Fördermittel in diesem Bildungsbereich zur Gänze ausschöpft. Die Studierenden wurden über Reisewarnungen informiert. „Es stand den Studenten frei, das Studium abzubrechen oder zu unterbrechen. Die Aufforderung war, die Heimreise anzutreten bzw. wenn die Abreise erst geplant war, zu Hause zu bleiben." Noch gibt es keinen Überblick darüber, wie viele Studierende zurückgekommen sind.

Das Programm Erasmus plus Bildung ermöglicht auch Schülern und Lehrlingen eine Bildungszeit im Ausland. Hier ist man in Tirol mit 41 Projektkoordinatoren (Schulen und Unternehmen) in intensivem Kontakt.

Infolge der Verbreitung des Coronavirus wird eine eigene E-Mail-Adresse (über www.oead.at) für Anfragen angeboten, erklärt Hilmar weiter. Es wird nach kulanten Lösungen gesucht, zum Beispiel, ob der Aufenthalt verlängert oder wie eine Prüfung nachgeholt werden kann.

Bei Studierenden wird man heuer von einer Anerkennungskontrolle absehen. Wie die jungen Menschen, so auch viele Lektoren, weitermachen, hängt vom persönlichen Sicherheitsgefühl ab und dem Angebot der Gast­uni, weiterzuarbeiten. „Was immer jemand tut, er wird von uns unterstützt." Hilmar zusammenfassend: „Das Zusammenwachsen in Europa darf durch das Coronavirus nicht zerstört werden. Erasmus plus funktioniert auf europäischer Ebene trotz Corona sehr gut. Das Programm wird weitergehen."

Viele Tiroler Familien mit Schülern überlegen derzeit das weitere Vorgehen. Wie das Bildungsministerium informiert, „werden Schüler über Projektkoordinatoren aufgefordert, nach Hause zu kommen. Sie müssen allerdings nicht." Über die Anrechenbarkeit der Zeit im Ausland wird ebenfalls beraten. Schüler, die länger als fünf Monate im Ausland verbrachten, schließen das Schuljahr normal ab. „Für alle Schüler, die weniger als fünf Monate im Ausland waren, wird es eine Lösung geben, an der wir gerade arbeiten. Fix ist: Keinem Schüler soll ein Nachteil entstehen", so Pressesprecherin Annette Weber.

Auch die zahlreichen internationalen Veranstalter von Schulprogrammen haben alle Hände voll zu tun. Während die Australia Education Agency noch versucht, individuelle Lösungen zu finden, hat der Großanbieter EF die Programme abgebrochen und organisiert die Rückreise der Jugendlichen etwa aus den USA.

Die Situation kann sich in allen geschilderten Bereichen stündlich ändern.


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