Hauskrankenpflege nur noch eingeschränkt möglich

Als Folge der Corona-Krise werden die Mitarbeiter der mobilen Dienste ihre rund 8500 Klienten nur noch in dringenden Fällen aufsuchen können.

Mobile Dienste unterstützen Menschen, die daheim wohnen, aber auf Hilfe angewiesen sind. Bei manchen Patienten sind mehrere Besuche pro Tag nötig.
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Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck –Verbandswechsel, Überwachung der Medikamenteneinnahme, Diabetiker-Betreuung, Haushaltshilfe: Die Mitarbeiter der mobilen Dienste unterstützen, versorgen und pflegen Menschen, die zu Hause leben, aber auf fremde Hilfe angewiesen sind. Rund 2000 Mitarbeiter aus 75 Einrichtungen sind tirolweit unterwegs. „Derzeit stehen sie vor der großen Aufgabe abzuwägen, ob ihr Einsatz unbedingt erforderlich ist oder nicht“, heißt es dazu aus der Gesundheitsabteilung des Landes.

Jeder Sozial- und Gesundheitssprengel soll entscheiden, welche Einsätze notwendig sind und auf welche verzichtet werden kann. Die Mitarbeiter beurteilen im Einzelfall, wo sie unentbehrlich sind. Sie sollen geschützt werden – darum geht es bei der Maßnahme –, aber auch die Klienten, die wenig Kontakte nach außen haben und anfällig für Infektionen sind. Abseits einer konkreten Pflegehandlung soll – so weit das möglich ist – auch ein Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern eingehalten werden. Das Land Tirol stellt dafür Handlungsanleitungen zur Verfügung, außerdem wird an der weiteren Beschaffung von Schutzausrüstung gearbeitet, heißt es.

Wenn der Einsatz auf „das absolut Notwendige“ reduziert wird und Mitarbeiter „auf der Ersatzbank bleiben“, wie es Hubert Innerebner, Geschäftsführer der Innsbrucker Sozialen Dienste (ISD), ausdrückt, dann geht es vorsorglich aber auch darum, Personal für eventuell kommende, kritischere Zeiten zur Verfügung zu haben. Also wenn es Ausfälle gibt, weil im Einsatz stehende Mitarbeiter am Coronavirus erkranken. Es werde auf alle Fälle Schutzkleidung und ausreichend Gesichtsmasken brauchen, um die mobilen Helfer zu schützen.

Obwohl die Zahl der Hausbesuche teils auf die Hälfte reduziert werden soll, will Innerebner nicht von einem Ausnahmezustand sprechen. „Vieles steht und fällt mit den pflegenden Angehörigen, die derzeit vielleicht mehr Zeit haben als sonst.“ Aber auch Zivildiener könnten zum Einsatz kommen. „Wenn die Gesellschaft zusammensteht, kann einiges abgefedert werden“, so Innerebner. In Innsbruck werden in der Hauskrankenpflege rund 700 Menschen betreut. Bei manchen von ihnen – wie Diabetikern – sind mehrere Besuche am Tag nötig. „Wir werden aber auch darauf achten, dass niemand verwahrlost.“

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Im Land finden unterdessen derzeit noch Abstimmungsgespräche statt, um beim Wegfall von Pflegestrukturen den Bedarf an Unterbringung und Versorgung weitestgehend sicherzustellen.

Weniger prekär ist die Situation bei den so genannten mobil aufsuchenden Diensten, die Familien zur Frühförderung der Kinder besuchen. Im Gegensatz zum sensiblen Bereich der Hauskrankenpflege können Besuche auch verschoben werden. Laut einer gesundheitsbehördlichen Verordnung der Landessanitätsdirektion, die an alle Trägereinrichtungen verteilt wurde, sollen die Mitarbeiter auch zum eigenen Schutz nur noch in dringenden Fällen eingesetzt werden.


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