Quarantäne in Tirol: Pflanzen warten auf Gärtner

Tirols Gärtner liefern an Haushalte, können aber derzeit nur 20 Prozent ihres Umsatzes erzielen. Bei den Stadtgärtnern in Innsbruck ist Wochenend-Betrieb.

Stadtgärtner im Notbetrieb: Robert Mair, Johannes Kirchebner, Richard Heumader (v. l.). Chef Thomas Klingler hat das Foto geschickt.
© Thomas Klingler

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Jenen, die zur Arbeit gehen oder aus anderen Gründen das Haus verlassen müssen, ist sicher aufgefallen, dass Innsbrucks Blumeninseln wundervoll blühen. Thomas Klingler, Leiter des Amtes für Grünanlagen, erklärt, dass man die Frühjahrsblüher noch großteils pflanzen konnte, ehe das öffentliche Leben heruntergefahren wurde. „Je nach Wetter werden die Blumen zweimal pro Woche gegossen.“

Es blüht am Adolf-Pichler-Platz.
© Rudy De Moor

In den Glashäusern warten die Sommerblumen auf ihren Auftritt. „Die pflanzen wir nie vor Mitte Mai, wir hoffen, dass bis dahin dann alles wieder normal läuft.“ Derzeit werden die Setzlinge umgetopft. „Wir arbeiten im Notbetrieb, wechseln uns ab, so wie wir es bisher am Wochenende getan haben“, erzählt er. Nicht mehr als vier Leute findet man zugleich in den Glashäusern. Dafür aber viele Nützlinge – die Stadt setzt zur Bekämpfung von Schädlingen auch Marienkäfer ein.

Eingesäter Blumenstreifen in Axams.
© Alexandra Plank

Auch viele Menschen, die einen Garten oder einen Balkon haben, pflanzen eifrig. Wie Peter Pfeifer, Landesinnungsmeister der Gärtner und Floristen, erläutert, dürfen landwirtschaftliche Gärtnereien offen halten, aufgrund der Ausgangssperre bieten alle Lieferservice an. „Genaue Infos sind auf der Homepage der örtlichen Betriebe zu finden.“ Die Blumenläden hätten indes geschlossen. „Ich habe die Schnittpflanzen meines Ladens noch vor der Sperre verschenkt“, so Pfeifer. Einige Läden würden auch liefern, das werde aber kaum angenommen. „Die Menschen haben andere Probleme. Die Nachfrage nach Kränzen für Begräbnisse hat stark abgenommen, da diese nur im engsten Familienkreis stattfinden.“ Derzeit würden auch mit Lieferung nur 20 Prozent des üblichen Umsatzes erzielt. „Ich habe zwei Gewächshäuser mit Stiefmütterchen, die auf Gartler warten“, so der Innungsmeister.

„Sind zwei Glashäuser voll Stiefmütterchen für die Katz?“, fragt Gärtner Pfeifer.
© Pfeifer

Schon bisher hatte man mit Konkurrenz von branchenfremden Anbietern wie Supermärkten oder Tankstellen zu kämpfen. „In Notzeiten schmerzt es besonders, dass diese weiter verkaufen dürfen.“ Bei den Gärtnereien könne man auch Hochbeete und Gärtnerbedarf bestellen. „Jetzt kann man mit Gewürzen und Salat beginnen, ein Vlies ist sinnvoll.“

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Privates Garteln in Rum.
© Alexandra Plank

Erich Schwarzenberger, Obmann des Agrarhandels in der Wirtschaftskammer, betont, dass Bauern immer Futter und Saatgut bei den Lagerhäusern erhalten, wenn sie vorher anrufen. „Wir sind besetzt, Kunden dürfen aber nicht ins Geschäft und wir stellen die Ware zum vereinbarten Zeitpunkt mit Lieferschein hinaus.“ Private könnten online bestellen. „Uns ist wichtig, dass Private auch online heimische Anbieter wählen“, so Schwarzenberger.


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