Ansteckung im Job: Sorgen nehmen zu

Gewerkschaft und AK erinnern Arbeitgeber an ihre Fürsorgepflicht zum Schutz der Mitarbeiter.

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Von Max Strozzi

Innsbruck – Laufend trudeln E-Mails besorgter Mitarbeiter einiger Industriebetriebe in der TT-Redaktion ein. Tenor: unzureichende Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Ausbreitung, etwa bei Mindestabständen zwischen Mitarbeitern oder anderen Hygienemaßnahmen. Motto: Während daheim auf weitgehende Isolation geachtet wird, klebt man am Arbeitsplatz aufeinander.

„Wir bemerken, dass solche Beschwerden zunehmen, wenngleich nicht massenhaft“, schildert der Tiroler Pro-GE-Gewerkschafter Robert Koschin. Er erinnert an die Fürsorgepflicht der Unternehmen. „Wenn die Politik auffordert, einen Meter Mindestabstand untereinander einzuhalten, dann haben alle Betriebe dafür Sorge zu tragen, wie sie das einhalten können“, sagt Koschin. Das reiche von flexiblerem Arbeiten über Einzelarbeitsplätze bis hin zu notfalls Betriebseinschränkungen oder -schließungen in Verbindung mit dem neuen Corona-Kurzarbeitsmodell. „Es geht um Fürsorgeverpflichtungen des Arbeitgebers. Hier kann sich niemand aus der Verantwortung stehlen.“ Wenn Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden können, weil etwa keine Schutzkleidung zur Verfügung steht, müsse man den Betrieb runterfahren und kurzarbeiten. „Es geht auch darum, wer haftet, wenn was passiert.“

Auch Tirols AK-Chef Erwin Zangerl erinnert an die Fürsorgepflicht. „Es sind noch viele Arbeitnehmer im direkten Kontakt mit Menschen tätig. Sie leisten Großartiges für ihre Mitmenschen und damit für die Gesellschaft. Ich erinnere aber eindringlich an die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber, für den nötigen Schutz ihrer Mitarbeiter zu sorgen“, so Zangerl. Abgesehen vom Handel, wo stärkere Schutzmechanismen gelten, vermisse er in anderen Bereichen diesbezüglich klarere Bestimmungen. „Mundschutz, Handschuhe und Schutzbrillen sollten zur Standardausrüstung für die betroffenen Mitarbeiter gehören.“ Schließlich arbeiten in den Firmen auch Menschen, die selbst zu Risiko-Gruppen gehören.

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