Zwischen Vorfreude und Unsicherheit: Schwangerschaft in Zeiten von Corona

Für Schwangere ist die derzeitige Lage besonders herausfordernd. In England haben sich bereits eine Mutter und ihr Baby mit dem Coronavirus infiziert. Kinderwunschbehandlungen werden verschoben. Ärzte können dennoch beruhigen.

Symbolbild.
© iStockphoto

Von Nicole Strozzi

Die Situation derzeit sei nicht ganz einfach. Sie habe zwar keine Angst oder Panik, sei aber doch etwas verunsichert und habe ein mulmiges Gefühl, berichtet eine junge Tirolerin, die im nächsten Monat ihr Baby zur Welt bringen soll.

So wie ihr geht es jetzt vielen Schwangeren, die sich derzeit in Daheim-Isolation auf die Geburt vorbereiten. Auf der einen Seite herrscht große Vorfreude, auf der anderen Seite drängen sich Fragen auf: Was passiert, wenn ich mich mit dem Coronavirus infiziere? Kann ich auch mein Baby anstecken? Und können Oma und Opa ihr Enkelkind nach der Geburt überhaupt sehen?

„Wir haben im Moment viele Anfragen“, berichtet Angela Ramoni, Oberärztin an der Uniklinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Die gute Nachricht: An der Frauenklinik Innsbruck gibt es laut Ärztin aber noch keine Schwangere, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Die Patientinnen beschäftige das Thema zwar sehr, sie seien aber alle entspannt.

Bis jetzt existieren nur wenige Daten darüber, wie sich das Virus tatsächlich auf Babys auswirkt. Weltweit gibt es lediglich einzelne wenige Fälle von infizierten Schwangeren. „Ich kann Schwangere beruhigen. Die meisten Verläufe waren bisher sehr mild“, betont Ramoni. Studien aus China liefern zudem Belege dafür, dass Kinder deutlich weniger stark am Sars-Cov-2-Virus erkranken.

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Ich kann Schwangere beruhigen. Die meisten Verläufe waren sehr mild. In Innsbruck gab es noch keinen Fall.
Angela Ramoni, Gynäkologin

Eine Übertragung des Virus von der Mutter auf das Neugeborene scheint zum Glück relativ unwahrscheinlich. Bekannt sind bisher zwei Fälle. Vergangene Woche wurden in Großbritannien eine Mutter und ihr Neugeborenes positiv auf das neue Coronavirus getestet. Das Baby habe sich ebenso wie seine Mutter mit dem Sars-Cov-2-Virus infiziert, teilte das North Middlesex University Hospital in London mit. Berichtet wurde außerdem von einer weiteren Infektion, die bereits Anfang Februar in China bei einem Säugling in einem Kinderkrankenhaus in Wuhan stattfand.

„Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Ansteckung aber nicht während des Geburtsvorganges über die Nabelschnur erfolgt, sondern aufgrund einer Tröpfcheninfektion nach der Geburt“, beruhigt Ramoni. Zum Beispiel durch Husten.

Sollte der Fall eintreten und eine Schwangere ist tatsächlich infiziert, so kann die Mutter trotzdem ihr Baby im Arm halten, solange sie eine Schutzmaske trägt und strenge Handhygiene einhält. Es ist auch möglich, das Baby zu stillen. Experten gehen davon aus, dass das Virus nicht über die Muttermilch übertragen werden kann. Die Antikörper, die durch das Stillen weitergegeben werden, würden das Neugeborene sogar schützen, so Ramoni.

Bei Wehen in der Quarantäne oder bei Krankheitssymptomen sollten Schwangere im nächstgelegenen Krankenhaus anrufen und den Anweisungen folgen, die sie dort erhalten, erklärt die Gynäkologin. Die Frauen werden dann von Personal in Schutzkleidung am definierten Eingang abgeholt.

Wir halten uns an die Empfehlungen und führen derzeit keine Schwangersachaft aktiv herbei.
Bettina Toth, Reproduktionsmedizinerin

Was Kinderwunschbehandlungen betrifft, geht man aufgrund der unzureichenden Datenlage und den wenigen Studien, die es zum Thema Schwangerschaft und Coronavirus gibt, derzeit auf Nummer sicher. Da man nicht weiß, wie sich die Viruserkrankung in der Frühschwangerschaft auf den Embryo auswirkt, empfehlen die europäische und amerikanische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, derzeit aktiv keine Schwangerschaft herbeizuführen. „Wir und viele andere Zentren in Österreich halten uns daran und führen deshalb zurzeit keine Embryotransfers durch“, betont Bettina Toth, Leiterin der Innsbrucker Uniklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.

Für die betroffenen Frauen, die sich bereits auf eine Kinderwunschbehandlung eingestellt haben, sei die Situation nicht einfach. „Die Frauen wollen schwanger werden, haben extra Urlaub eingeplant, viele waren schon im Aufbau“, berichtet Toth. Jetzt heißt es warten. Aber die Patientinnen würden die Situation verstehen. „Sobald es wieder geht, starten wir“, verspricht Toth.

Wenn jemand bereits schwanger ist, so sei es wirklich wichtig, die Quarantäne und Hygieneempfehlungen einzuhalten und Kontakte zu anderen Menschen, insbesondere in der Frühschwangerschaft beziehungsweise zur Geburt hin, zu meiden. Auch Angehörigen empfiehlt die Ärztin, sich gut zu schützen. Dann kann hoffentlich auch die­se Krise gut gemeistert werden.


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