Quarantäne und Ausgangsbeschränkung: Zumindest der Luft tut’s in Tirol gut

Weniger Verkehr, bessere Luft? Die erste Quarantänewoche bestätigte diese Rechnung quer durchs Land. Die Stickstoffdioxid-Belastung ging an einigen Messstellen teils sogar um bis zu 60 Prozent zurück.

Links die hochfrequentierte Europabrücke am Freitag vor Pfingsten 2019, rechts ein Bild vom vergangenen Samstagmittag – eigentlich einem starken Reisetag. Das (wohl einzig) Positive: Die Luft bessert sich.
© Böhm

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Wie berichtet, ist der Individualverkehr entlang der Brenner-Transitroute um bis zu 90 Prozent, der Schwerverkehr um bis zu 30 Prozent eingebrochen. Auf der Inntalautobahn im Oberland waren es immerhin noch 60 bzw. 20 Prozent, meldete die Asfinag. Folgen der verordneten Corona-Quarantäne im Land.

Was jetzt der Bevölkerung, aber auch der Wirtschaft noch einige Wochen Unvorstellbares abverlangt, hat zumindest aus Sicht der Luftgüte auch seine positive Seite. Diese hat sich nämlich schlagartig verbessert.

Das Land hat derzeit ein Netz von 19 Messstellen über Tirol gespannt. Auf Basis unterschiedlichster Gesetze und Verordnungen, darunter das viel bekannte Immissionsschutzgesetz Luft (IG-Luft). Unterschiedliche Schadstoffe werden gemessen, so auch der Feinstaub – für den Verkehr sind hauptsächlich die Stickstoffdioxidwerte (NO2) von Relevanz. Fakt ist: Bereits von 2010 bis 2018 hat die Stickstoffdioxid-Belastung in Tirol abgenommen. Das ist dem inzwischen akzeptierten Luft-100er auf der Autobahn sowie dem Umstieg auf „saubere“ Lkw geschuldet. Dennoch melden einzelne Messstellen immer noch tageweise Überschreitungen der Grenzwerte (EU- und Bundesvorgaben).

Mit dem Corona-bedingten Verkehrseinbruch haben sich die Stickstoffdioxidwerte jetzt schlagartig verbessert. Hierzu verglich das Land die Messdaten vom 18. bis 24. März 2019 mit jenen der vergangenen ersten Quarantänewoche (16.–22. März 2020). So nahmen die NO2-Werte an den Autobahn-Messstellen Vomp (A12) um 49 Prozent und bei Mutters (A13) um 57 Prozent ab.

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Stellvertretend für den städtischen Bereich wurde die Innsbrucker Messstelle Fallmerayerstraße zum Vergleich herangezogen: Hier gingen die Stickstoffdioxidwerte um 52 Prozent zurück. Im ländlichen Raum (Messstelle Heiterwang) um 60 Prozent. Dies korreliert auch mit dem durchschnittlichen Verkehrsrückgang auf den Landesstraßen von derzeit -74 Prozent (Güterverkehr: -26 %), wie LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) bestätigt. Allein am Fernpass fuhren in der vergangenen Woche binnen 24 Stunden (im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum) anstatt rund 14.800 nur noch knapp 2000 Fahrzeuge.

„Dass sich die Luft einstweilen erholt, ist zumindest eine gute Nachricht in diesen schweren Zeiten“, sagt Felipe. Aber auch ein Beweis, dass „die Bevölkerung die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ernst nimmt“.

Nicht in ganz Österreich Verbesserung

Auch das Umweltbundesamt hat die erste Woche der verkehrsbeschränkenden Maßnahmen hinsichtlich der Luftqualität unter die Lupe genommen. Eine erste Analyse der Stickstoffdioxid-Messungen habe gezeigt, dass die Belastung zumeist abgenommen hatten, jedoch an einzelnen Tagen höhere Belastungen festgestellt wurden. Dies liege an teils ungünstigen meteorologischen Ausbreitungsbedingungen in manchen Regionen bis zum Wochenende. Dann habe sich die Lage durch polare Kaltluft wieder gedreht. (wer)


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