Niedrige Temperaturen, sehr hohe Nervosität im Oberland

Die Oberländer Obstbauern schauen besonders kritisch aufs Thermometer. Die Kältewelle könnte heuer wieder für Ausfälle sorgen.

Die Beregnung der 70 Marillenbäume von Edgar Tangl in Tarrenz verwandelte den Obstgarten in einen schillernden Eispalast.
© Böhm

Von Alexander Paschinger und Matthias Reichle

Tarrenz, Haiming, Stanz, Prutz – Vereinzelte Obstanlagen im Oberland verwandelten sich in der Nacht auf gestern durch Tausende kleine Eiszapfen, die im Sonnenlicht glitzerten, in einen wahren Eispalast. Zumindest für den staunenden Betrachter. Denn die eisigen Temperaturen der hereingebrochenen Kältewelle bringen die Obstbauern eher ins Schwitzen. „Ob das Beregnen etwas geholfen hat, das kann ich erst in ein, zwei Wochen sagen“, erklärt etwa der Tarrenzer Edgar Tangl. In der Apfelgemeinde Haiming sitzt man auf Nadeln: Die Bäume treiben gerade erst aus, letzte Nacht verhinderte der zu starke Wind den Einsatz der Beregnungsanlagen.

Tangl hatte es besonders eilig: Zwei Tage zuvor hatte nämlich die Marillenblüte begonnen. „Das ist derzeit eine Kältewelle und nicht ein bloßer Morgenfrost“, sorgt er sich um die Ernte seiner 70 Marillenbäume. Denn im Normalfall bleibt das Eis bis zum Vormittag nur drei bis fünf Stunden auf den Bäumen. Die gestrige Nacht waren es aber bald zwölf Stunden, in denen das schwere Eis die Bäume belastete. Dabei besteht die Gefahr, dass die Äste brechen. Solche Frostperioden heißen für Tangl jedenfalls: „In der Nacht aufstehen, den richtigen Zeitpunkt, die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit zum Einschalten der Beregnung abwarten.“

Wobei er für sich feststellt: „Bei den Marillen muss ein gutes Jahr ein schlechtes tragen.“ Besser geht es bei seinem Wein: „Der treibt erst Mitte April – Wein ist in Nordtirol schon gut platziert.“

📽 Video | Obstbauern in Sorge:

Besonders auf Nadeln sitzt man auch in Haiming. „Wir haben in der Gemeinde 170.000 Obstbäume und im Durchschnitt einen Ertrag von einer Million Kilogramm Äpfel“, beschreibt die Geschäftsführerin des Haiminger Obstlagers, Alexandra Harrasser, die wirtschaftliche Bedeutung des Obstanbaus. Man sei deshalb „ständig im Kontakt mit den Meteorologen“, sagt sie. In der Nacht auf gestern wehte aber der Wind derart stark, dass man nicht beregnen konnte. „Das hätte mehr Schaden angerichtet“, ergänzt der Obstbauer und Obmann der Haiminger Markttage, Rudi Wammes.

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Dafür gab Wammes zumindest für gestern eine Entwarnung: „Ich schätze, die Apfelblüte wird in zwei bis drei Wochen kommen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt treiben erst die Knospen aus. „Die vertragen so an die fünf bis sechs Grad minus“, sagt Wammes, „und in dieser ersten Frostnacht hatte es jetzt minus vier. Das geht schon noch.“

Allerdings sind die Wetteraussichten nicht unbedingt gut. Allein in der Nacht auf heute waren wiederum minus sechs bis sieben Grad prognostiziert. „Da wird es dann schon kritisch – da kann man nur auf eine windstille Nacht hoffen, damit die Beregnung eingesetzt werden kann“, sagt Wammes.

Keine Sorgen bereitet die Kälte derzeit dem Stanzer Zwetschkenbauer Stefan Nothdurfter. „Wenn es kalt ist, entwickelt sich keine Blüte. Und je später der Baum blüht, desto geringer wird das Risiko für einen Ausfall.“ Die Marillenbäume in seiner Gemeinde sind hingegen „wahrscheinlich schon geerntet“, wie er erklärt – sie fallen heuer aus.

Genau aufs Thermometer schaute gestern deshalb auch der Prutzer Marillenbauer Gerhard Maaß, der in den letzten Jahren besonders viel Pech hatte. „Wenn wirklich die minus 9 Grad kommen, war alles für die Fisch’“, betont er. Die Knospen der Marillenbäume seien zwar widerstandsfähiger als die Blüten, diese Temperaturen überstehen aber auch sie nicht.


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