One-Stop-Shopping trifft Bäcker, Metzger und Co.

Weil viele Kunden fast nur noch in Supermärkten einkaufen, befürchten kleine Nahversorger ein großes Bäcker- und Metzgersterben.

Tiroler Bäckereien berichten derzeit von Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent.
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Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – Während die Umsätze in den Supermärkten steigen, bleiben bei kleinen Bäckern, Metzgern sowie Obst- und Gemüsehändlern die Kunden aus. „Ich wage zu behaupten, dass 2020 als das Jahr in die Geschichte Österreichs eingeht, in dem am meisten Bäckereibetriebe zusperren mussten“, warnt Bäckerei-Unternehmer Christian Ruetz. Grund dafür sei, dass während der Corona-Krise „viele Kunden derzeit im Sinne von One- Stop-Shopping gleich alles in einem Aufwaschen erledigen, auch den Broteinkauf“.

Die Umsätze der Bäckereien seien um bis zu 80 Prozent eingebrochen. Ähnlich sehe die Situation bei Metzgerbetrieben, bei Käsehändlern oder Obst- und Gemüsehändlern aus, obwohl die Betriebe großteils geöffnet sind. „Wir haben auch am Sonntag geöffnet, das war traditionell der umsatzstärkste Tag der Woche. Der vergangene Sonntag war aber ernüchternd“, sagt Ruetz.

Der Bäckermeister befürchtet, dass sich das Bäckersterben drastisch beschleunigen wird. Bereits in den vergangenen 25 Jahren hat sich die Zahl der Bäcker-Betriebe von rund 3000 auf weniger als 1500 mehr als halbiert. Ähnlich sieht es bei Metzgereien aus, wie Zahlen der KMU-Forschung-Austria zeigen. Alleine zwischen 2005 und 2016 sank die Zahl der Metzgerbetriebe von 1729 auf 1285.

Auch Fleischer-Innungsmeister Peter Paul Schweighofer berichtet von teils „exorbitanten Umsatzeinbußen“. Neben der Gastronomie als Kundschaft sei auch das Imbiss- und Jausengeschäft weggebrochen. In der dramatischen Situation sei untergegangen, dass „neben Supermärkten auch Bäcker, Metzger, Käsehändler geöffnet haben. Auch unsere Mitarbeiter stehen an der Front“, sagt Schweighofer. Er erinnert daran, dass „der nächstgelegene Nahversorger, trotz der Ausgangsbeschränkungen in Tirol angefahren werden darf“ und die Betriebe auch nach der Corona-Krise „wichtig für die Versorgung mit hochwertigen regionalen Produkten vor Ort sein werden“.

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Vor allem Betriebe, die bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, seien derzeit besonders gefährdet, sagt Thomas Oberholzner, Chef der KMU Forschung Austria. Wie viele tatsächlich schließen müssen, hänge laut Oberholzner aber auch „stark von der Wirksamkeit der Unterstützungsmaßnahmen der Regierung sowie der Dauer der Krise ab.“

Eine Perspektive für die Klein- und Mittelbetriebe sieht der Wirtschaftsforscher im florierenden Online-Handel. „Kleinere Betriebe, die jetzt einen Online-Handel etablieren, könnten nach der Krise profitieren. „Die Frage wird sein, wie nachhaltig diese später genutzt werden.“


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