"Vier Saiten" mit Otto Schenk: Großer Grant, noch größeres Herz

Die Komödie „Vier Saiten“ mit Otto Schenk kommt heute zur TV-Premiere. Das Erfolgsgeheimnis des breitenwirksam an- und mit einer zutiefst humanitären Botschaft untergelegten Films ist leicht erklärt: Schenk spielt Schenk.

Otto Schenk wird am 12. Juni 90 Jahre alt. Heute Abend ist der Publikumsliebling in Michael Kreihsls Fernsehfilm „Vier Saiten“ zu sehen.
© ORF

Wien – Den alten Kammerdiener im „Kirschgarten“ darf Otto Schenk derzeit nicht spielen. Er ist in seinem Haus am Irrsee in freiwilliger Quarantäne. „Ich sitze hier im goldenen Käfig“, sagte Schenk den Oberösterreichischen Nachrichten, „am schönsten Platz der Welt.“ Heute Mittwoch kommt er via ORF 2 in die Wohnzimmer und Home-Offices. Michael Kreihsls Film „Vier Saiten“ ist ganz auf ihn zugeschnitten.

Mit 89 Jahren ist Schenk auch ganz ohne Coronavirus längst in der Risikogruppe angekommen. Ob es am 12. Juni zu seinem 90er in „seinem“ Theater in der Josefstadt auch wirklich eine Festvorstellung des „Kirschgarten“ geben wird, ist derzeit ungewiss. Umso größer ist das Geschenk, das er seinem Publikum mit dem Fernsehfilm macht, zu dem ihn Regisseur Kreihsl überreden konnte.

Das Erfolgsgeheimnis des breitenwirksam an- und mit einer zutiefst humanitären Botschaft untergelegten Films ist leicht erklärt: Schenk spielt Schenk. Und er darf dabei in jener Liebe schwelgen, die ihm stets – neben jener zu seiner Frau Renee – die größte war: die Liebe zur Musik. In der Rolle des ehemaligen Star-Cellisten Karl Michaeli, der seit dem Tod seiner Frau Maria zurückgezogen lebt, darf er hemmungslos granteln. Grund dafür findet er genug: Seine Hausbesitzerin (Marianne Mendt) vermietet Wohnungen an junge Schutzsuchende und betreut diese wie eine Glucke. Der alte Musiker sieht zwar durchaus deren schwierige Lage und Probleme, fühlt sich aber belästigt und bedrängt. Offenbar nicht grundlos: Als er einmal seine Wohnungstüre offen lässt, werden wertvolle Erinnerungsstücke gestohlen. Und ein junger Syrer (Omid Memar, der zuletzt in „7500“ einen Flugzeugentführer spielte) sitzt in seinem Musikzimmer und spielt seelenruhig Cello, bis die Polizei eintrifft. Michaeli hört jedoch sofort: Hier spielt ein junger Mann mit Talent.

Gewiss ist es eine kitschgefährdete Geschichte, die sich in der Folge entwickelt, aber sie wird als Komödie erzählt – und bietet viel Stoff für schauspielerische Glanzlichter. Marianne Mendt als Hausbesitzerin, Friedrich von Thun als leicht schmieriger Anwalt, Erwin Steinhauer als Konservatoriums-Leiter mit Dreck am Stecken und Lukas Resetarits in einer als Sandler verleihen den „Vier Saiten“ eine original Wiener Stimmung.

Otto Schenk, der in vielen langen Einstellungen zeigen darf, welch weiches Herz in einer stacheligen Schale stecken kann, war beim Dreh zeitweise krank, hatte Fieber, setzte sich jedoch über den ärztlichen Rat hinweg. Das Set sei dadurch zeitweise von Krankenhausatmosphäre geprägt gewesen, erzählte er. Doch wunderbarerweise habe die Arbeiten das Fieber vertrieben. Ob das sein letzter Film gewesen sei, wurde Schenk zuletzt immer wieder gefragt. Seine Antworten variierten stets ein bisschen. Die schönste bekam zuletzt Der Standard: „Schwören würde ich, aber wetten tat i ned.“


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