Eine Pause ohne Ablaufdatum für Tiroler Bundesliga-Kicker

Der eine lernt ein Instrument, der andere versucht sich als Fensterputzer – auch für die Tiroler Bundesliga-Kicker dreht sich die Welt aktuell langsamer.

Mattersburg-Kicker Michael Lercher lenkt sich mit Labrador Mila ab. Nichte Emma muss allerdings vorerst auf ihren Onkel verzichten – der Innsbrucker blieb im Burgenland.
© Privat

Von Tobias Waidhofer

Mattersburg, Altach, Mieming – Jeder muss das Beste aus der aktuellen Situation machen. Das gilt für normale Arbeitnehmer ebenso wie für Fußballprofis. Neben den Akteuren der WSG Tirol hängen auch andere Tiroler Bundesliga-Legionäre derzeit in der Luft: Zum Beispiel Michael Lercher, den die TT gerade beim Spaziergang im Burgenland mit dem zweijährigen Labrador Mila erreichte. „Der Hund braucht nun einmal seinen Auslauf“, weiß der Mattersburg-Kicker, der sich auf Wunsch des Vereins – wie auch sein Ötztaler Kollege Andreas Kuen – nicht in die Tiroler Heimat verabschiedete. „Man weiß ja nicht genau, wie es weitergeht. Und Tirol ist ja eine Quarantänezone. Nicht, dass ich dann dort festhänge“, erklärt der 24-Jährige, dem aber auch im Burgenland nicht fad wird: Neben dem Trainingsprogramm des Vereins und dem Griff zur Playstation („Momentan spielen wir vor allem GTA und Call of Duty“) tobt sich Lercher auch kreativ aus: Der Tiroler greift nicht nur zu Farbe und Pinsel, sondern setzt sich auch ans Piano: „Ich versuche mich gerade am Klavierspielen“, lacht der Innsbrucker.

„Oha, der feine Herr. Das hab’ ich gar nicht gewusst“, meldete sich indes Kumpel und Altach-Spieler Florian Jamnig zu Wort, um mit einem Augenzwinkern nachzulegen: „Da bin ich bodenständiger. Ich putze gerade Fenster.“ Im Gegensatz zu Lercher hat Jamnig die Heimreise angetreten. Natürlich mit der Erlaubnis seines Vorarlberger Arbeitgebers. „Auch der Trainer (Alex Pastoor, Anm.) ist nach Hause in die Niederlande gefahren. Das hat auch der Großteil der Spieler gemacht.“

Ein gemeinsames Training ist für die Tiroler Altach-Legionäre Flo Jamnig (l.) und Christian Gebauer aktuell nicht möglich.
© gepa

Nun wird im Eigenheim in Mieming gewerkt: „Bis auf den Garten sind wir eigentlich fast schon fertig“, erzählt der Ex-Wacker-Kicker. „Man kann Dinge erledigen, für die sonst kaum Zeit bleibt.“

Ob er auch schon bei Papa Joachim, dem designierten Wacker-Präsidenten, in Sachen schwarzgrüner Zukunft spioniert hat? „Ich würde auch gern mehr wissen, aber nicht einmal mir verrät er etwas“, lacht der 29-jährige Flügelflitzer.

Jamnigs Teamkollegen Christian Gebauer erreichte die TT indes in Vorarlberg. Der Naviser verzichtete vorerst auf eine Heimreise ins Wipptal, auch weil Freundin Sabrina beruflich in Österreichs westlichstem Bundesland gefordert ist. „Man kann eigentlich ganz gut Kraft und Ausdauer trainieren – aber das Runde fehlt einfach“, sagt der Offensivmann, der sich meistens mit der Playstation ablenkt: „Die ist momentan die Hauptattraktion.“ Und damit geht es Gebauer so wie vielen jungen Menschen.

Die Hoffnung lebt auch beim Wipptaler „Blitz“, dass „bald wieder Normalität einkehrt“. In Sachen Kurzarbeit ist die Lage für den 26-Jährigen klar: „Wir müssen den Vereinen jetzt unter die Arme greifen.“

Sowohl der SCR Altach als auch der SV Mattersburg werden in den kommenden Tagen das fixieren, was die WSG Tirol und die Admira bereits ankündigten: die Umstellung auf Kurzarbeit. Dementsprechende Gespräche wurden bereits geführt. „So etwas ist auch eine Charakterprüfung gegenüber dem Verein“, weiß Mattersburg-Coach Franz Ponweiser.

„Ich glaube nicht, dass bei uns irgendwer ausscheren wird“, meint Florian Jamnig. Es gebe aktuell wichtigere Dinge. „Wir müssen solidarisch sein – und das Beste aus der Situation machen.“ So wie alle Menschen ...


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