Es wird ein Sommer mit großen kulturellen Lücken

Die Corona-Krise gefährdet mittlerweile auch eine Reihe von Veranstaltungen, die erst in einigen Monaten stattfinden sollen.

Eine Szene aus der Oper „Merope“ bei den Innsbrucker Festwochen im August 2019. Muss die Bühne heuer leer bleiben?
© Larl

Von Markus Schramek

Innsbruck, Hall, Erl – Heute hätte das Osterfestival 2020 in Hall eröffnet werden sollen. Leider nur im Konjunktiv. Denn das traditionelle Kulturereignis im Vorfeld des Osterfestes wurde ein Opfer der Corona-Quarantäne, wie sämtliche Termine, bei denen sich Menschen versammeln und infizieren könnten.

Wann wird Kultur, wie wir sie kennen, in Sälen, Theatern oder unter freiem Himmel und vor Publikum, wieder möglich sein? Niemand wagt eine Prognose. Im Tiroler Landestheater hält man es für möglich, dass die laufende Saison schon zu Ende ist: keine Vorstellung, kein Konzert mehr bis zur Sommerpause.

Doch der Terminkalender wird noch viel weiter ausgedünnt. Veranstalter und Kulturschaffende rechnen mit weiteren Absagen bis weit in den Sommer hinein, wie ein Rundruf der TT ergab.

Festspiele Erl

Die Sommerfestspiele sollen am 9. Juli starten. Doch der gesamte Veranstaltungsreigen „wackelt gehörig“, wie aus Erl zu erfahren ist. Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt. Die Zeit für Proben wird knapp. Und ob Musiker und Sänger aus Staaten wie Italien oder Weißrussland überhaupt nach Tirol einreisen dürfen, ist höchst fraglich. Das alles klingt gehörig nach Absage. Anfang April erfolgt ein offizielles Statement.

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Festwochen der Alten Musik

Bei der renommierten Werkeschau barocker Musik in Innsbruck ist die Lage ähnlich schwierig wie in Erl. Entschieden ist noch nichts. Jedoch: „Die Festwochen finden zwar erst ab Mitte Jul­i bis Ende August statt, die Vorlaufzeit für einzelne Produktionen ist aber weitaus länger. Zudem treten bei uns viele internationale Künstlerinnen und Künstler auf, die teilweis­e aus stark betroffenen Ländern wie zum Beispiel Italie­n, Frankreich oder Spanien kommen“, gibt Festwochen-Direktorin Eva-Maria Sens zu bedenken.

IFFI 2020

Die 29. Auflage des „International Film Festival Innsbruck“ (IFFI) ist für das Pfingstwochenende (27.5. bis 1.6.) anberaumt. Stattfinden kann es zu diesem Zeitpunkt nicht. Die neue IFFI-Leiterin Anna Ladinig ist im ersten Jahr ihrer Geschäftsführung coronabedingt gleich besonders gefordert. Sie schlägt dem Vorstand, der heute tagt, vor, das IFFI auf Herbst zu verschieben.

Heart of Noise

Das Festival für alternative Musik feiert heuer sein 10-Jahr-Jubiläum. Doch der geplante Termin, 5. bis 7. Juni im Haus der Musik, ist nicht zu halten. „Wir wollten der Öffentlichkeit gerade unser fertiges Programm präsentieren, als die Corona-Beschränkungen verordnet wurden“, sagt Organisator Chris Koubek. Auch er möcht­e auf den Herbst ausweichen, so sich im Haus der Musik terminlich noch eine Lücke findet. „Ersatzlos absagen ist keine Option“, betont Koubek. „Das sind wir schon den Musikern schuldig, die mit Auftritten ihren Lebensunterhalt verdienen.“

Operettensommer Kufstein

In der Festungs­arena Kufstein soll ab 31. Juli das Lloyd-Webber-Musical „Evit­a“ unter der Regie von Enrique Gasa Valga in Szene gehen. 77 Prozent der Tickets aller Aufführungen sind schon verkauft. „Wir gehen davon aus, dass der Operettensommer stattfindet“, sagt dessen Direktor Josef Resch. Nachsatz: „Wird die Veranstaltung behördlich untersagt, dann verschieben wir ,Evita‘ um ein Jahr.“ Tickets bleiben gültig.

Irgendwann wird der Corona-­Spuk ja vorbei sein.


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