Handel verliert drei Milliarden Euro, Zwist um „unfairen Wettbewerb“

Der stationäre Einzelhandel verliert derzeit bis zu 140 Millionen Euro am Tag. Unmut des Fachhandels gegenüber Lebensmittelketten wächst.

Der Fachhandel fordert, dass Supermärkte keine Fahrräder, Blumentöpfe, Terrassenmöbel oder Kinderspielzeug mehr anbieten sollen.
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Wien, Bregenz, Innsbruck –Der „Shutdown“ aufgrund des Coronavirus kostet den stationären Einzelhandel bis zu drei Milliarden Euro Bruttoumsatz pro Monat, errechnete der Handelsberater Standort+ Markt. Der tägliche Umsatzverlust belaufe sich auf bis zu 113 Millionen Euro, der Standortberater RegioPlan kommt sogar auf 140 Millionen Euro. Im Gastronomiesektor lägen die Umsatzeinbußen bei 63 Millionen Euro pro Tag.

„Dadurch, dass die Kundschaft fehlt, bleiben die Lager voll mit Frühjahrsware, die erstens komplett bereits bezahlt ist und zweitens jeden Tag weniger wert wird“, sagt der Obmann des Tiroler Handels, Martin Wetscher. Die Sofortmaßnahmen der Bundesregierung zur Unterstützung der heimischen Unternehmen seien ein positives Signal. Wetscher drängt nun auf eine rasche und unbürokratische Abwicklung der Unterstützungsmaßnahmen.

Die Tiroler bittet Wetscher, die zahlreichen neu geschaffenen Lieferdienste der heimischen Unternehmen zu nutzen: „Sagen Sie Ja zu Tirol statt zu den internationalen Online-Riesen. Schieben Sie außerdem Anschaffungen auf, die nicht dringend notwendig sind, und tätigen Sie sie zu einem späteren Zeitpunkt bei Ihrem Tiroler Fachhändler.“

Anzeige gegen Handelskette

Bei den heimischen Fachhändlern kommen derzeit vereinzelte große Einzelhandelsketten nicht gut weg. So hat ein Vorarlberger Spielwarenhändler Anzeige gegen eine Handelskette erstattet, weil diese in der Coronakrise auch Waren verkauft, die nicht zur Grundversorgung nötig sind. „Da stehen die Leute dicht an dicht am Spielwarenregal im Supermarkt, während wir geschlossen halten müssen. Dazu kommt noch die aggressive Werbung der Gemischtwaren-Ketten in den Prospekten“, empört sich der Spielwarenhändler Mario Sieber.

„Wütend und sprachlos“ mache die Fachhändler aktuell etwa ein 24-seitiger Prospekt einer Lebensmittelkette in dem auf 18,5 Seiten Non-Food-Artikel beworben werden, sagt die Jenbacher Fahrradhändlerin Olivia Sock. Wenn diese Lebensmittelketten weiter Artikel wie Fahrräder, Blumentöpfe, Terrassenmöbel oder Kinderspielzeug anbieten würden, „dann haben wir nur einen klaren Sieger, der aus dieser Krise herausgeht und viele Verlierer, denn fairer Wettbewerb sieht definitiv anders aus“, sagt die Unternehmerin.

Der Verkauf von Gartenartikeln oder Spielzeug in Lebensmittelmärkten sei laut dem Gesundheitsministerium eine „nicht zulässige Vorgehensweise“. Für die Einhaltung der Verordnung nimmt man die Wirtschaftskammer in die Pflicht. Branchenvertreter fordern hingegen die Präzisierung der Verordnung, um Klarheit zu schaffen, welche Produkte von welchen Händlern verkauft werden dürfen. (APA, ecke)


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