Hochzeit oder Erstkommunion in Corona-Zeiten: Vor leeren Rängen zum Altar?

Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus machen auch vor dem heiligen Bund der Ehe, Firmung und Erstkommunion nicht halt. Verschiebungen kommen mit viel Aufwand daher – und sind nur begrenzt möglich.

Aufwändig verschieben oder ohne Gäste heiraten? Dieser Frage müssen sich dank Corona-Krise Hunderte Paare stellen.
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Von Jasmine Hrdina und Denise Daum

Innsbruck, Salzburg –Stell dir vor, es ist Hochzeit, und niemand geht hin. Diese und ähnliche Gedanken plagen derzeit Hunderte verlobt­e Pärchen in Tirol. In den kommenden Wochen wären sie vor versammelter Gesellschaft vor den Altar getreten – dem Bund fürs Leben stellt sich nun ein gerade mal 60 bis 140 Nanometer großes Virus in den Weg.

Bis 30. Juni wird es im Gebiet der Erzdiözese Salzburg (in Tirol sind das die Dekanate Brixen i. T., Kufstein, Reith i. A., St. Johann i. T. und Zell a. Z.) keine pfarrlich organisierten Feste oder Versammlungen mit mehr als fünf Personen geben. In der Diözese Innsbruck tagte man gestern noch, um eine weitere Vorgehensweise zu erarbeiten.

Ob Hochzeiten, Firmungen oder die Erstkommunion durchgeführt werden, obliegt letztlich jeder Pfarre selbst, erklärt Albert Thaddäu­s Esterbauer-P., Vizekanzler der Salzburger Ordinariatskanzlei. „Die Pfarren haben sich an die Vorgaben der Diözesen und die staatlichen Bestimmungen zu halten. Unser Rat ist, sich zu überlegen, wo eine Verschiebung Sinn macht.“

Warten – oder doch gleich verschieben?

Für gewöhnlich findet die Erstkommunion am ersten Sonntag nach Ostern (Weißer Sonntag) statt, die Firmungen ziehen sich über das ganze Frühjahr bis in den Juni. Eine Verschiebung in den Herbst mache aus geistlicher Sicht keinen Unterschied, betont Esterbauer-P.

Was für den katholischen Nachwuchs recht simpel klingt, gestaltet sich bei Hochzeitspaaren schwieriger: Terminkollisionen sind vorprogrammiert. „Man wird sich überlegen müssen, Hochzeiten statt wie üblich nur samstags auch freitags oder sonntags durchzuführen“, sagt der Kirchensprecher.

Warten, vielleicht ändert sich die Lage bald – oder doch gleich verschieben? Die Entscheidung will Esterbauer-P. den Paaren nicht abnehmen. „Wir können keine Garantie dafür geben, dass Hochzeiten in den kommenden Monaten stattfinden werden.“ Ohne Gäste, also nur mit Eheleuten, Pfarrer und Trauzeugen, könnte die Eheschließung vor dem Altar erfolgen, „aber welches Paar will das schon?“.

Organisatorischer Marathon

Wer auf einen neuen Termin umsattelt, dem steht ein organisatorischer Marathon bevor: Eine freie Kirche bedeutet nicht, dass auch die Feier-Räumlichkeiten noch zu haben sind, geschweige denn ob die Band, der Fotograf und die Gäste Zeit haben. Im Congresspark Igls etwa sind freie Stellen im Kalender bereits rar. „Die Samstage im Herbst sind voll, auch bis zum Sommer im nächsten Jahr sind wir gut gebucht“, berichtet Caterer Jakob Hafele. Immerhin beginnen die Vorbereitungen mindestens ein Jahr im Voraus. Flexibilität ist da schwierig. „Die Brautpaare, die im Mai geheiratet hätten, verschieben gerade alle. Die im Juni warten noch zu“, gibt Hafele einen Überblick. Bereits geleistete Anzahlungen bekommen die Paare im Falle rückerstattet: „Wir bemühen uns um einen Ersatztermin. Wenn wir keinen finden, gibt es per Gesetz keine Stornogebühren.“

Heiraten in "dringenden Fälle" möglich

In der evangelischen Christuskirche in Innsbruck mussten bereits einige Taufen und Hochzeiten verschoben werden, schildert Pfarrer Werner Geißelbrecht. „Wir sind derzeit im Gespräch mit vielen Familien, die kirchliche Fest­e vor dem Sommer geplant hatten. Derzeit wissen wir ja nicht, ab wann und zu welchen Bedingungen wir uns wieder in der Kirche treffen können.“ Die evangelische Kirchenleitung empfiehlt in einem aktuellen Brief, alle Taufen, Trauungen, Konfirmationen und andere größere Veranstaltungen in den Herbst zu verschieben – schon allein um Schwierigkeiten bei der Vorbereitung und Enttäuschungen zu vermeiden.

Vor dem Standesamt kann man sich übrigens in „dringenden Fällen“ (Land Tirol) selbst in Krisenzeiten das Ja-Wort geben. Allerdings wird das Paar mit dem Standesbeamten alleine sein – inklusive gesetzlichem Mindestabstand. Romantik? Fehlanzeige. Eher: Sie dürfen der Braut jetzt aus einem Meter Entfernung zuwinken.


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